Ein Hemd im 60´s Schnitt…

… habe ich meinem Freund schon vor etwa drei Jahren genäht. Er hat es allerdings bis heute so gerne, dass wir mittlerweile schon Diskussionen führen, wie oft man ein Kleidungsstück anziehen kann, ohne dass die Leute denken, man hätte nichts anderes. (Mein Argument – das er erst einsehen will, wenn er ein neues Hemd im selben Schnitt bekommt, wird also nicht der letzte Post zu diesem Schnitt sein)

Das Schnittmuster könnt ihr euch wieder hier herunterladen:

Schnitt downloaden

Und ich erzähle euch, in welcher Reihenfolge ich was gemacht habe.

Zuschneiden:

1) ABCD ergeben insgesamt eine Seite des Vorderteils, welche aus zwei Teilen besteht. Ihr könnt entweder den ganzen Schnitt (einmal rechts, einmal links auf den Stoff)  in einem übertragen, oder ihn aber teilen, so erhaltet ihr nachher vier Teile und nach dem Zusammennähen 2 Teile mit Ziernaht. Achtung: erweiterte Nahtzugabe (wie eingezeichnet, 5 cm) beachten!

2) B beinhaltet außerdem die Brusttasche.

3) EFG zeigt das untere Rückenteil. Es muss wieder doppelt auf Stoff übertragen werden Wie bei 1) ).

4) HI zeigt eine Seite des Nackenteils, das sich bis zur Brust erstreckt. Bei der rechten Seite von H handelt es sich um einen Stoffbruch. So kann (wie auch schon bei „älteren“ Schnittmustern) mit einem einzigen Auflegen und Anzeichnen des Musters beim Aufklappen das gesamte Stoffteil entstehen.

5) I bildet zudem ab, wie der Kragen sowie das Stoffstück zum Kragen (Ich kenne leider den Begriff dafür nicht – ihr werdet feststellen was ich meine, wenn ihr die Anleitung lest) geschnitten werden sollen. Beide Teile braucht man 2x.

6) JKL bildet die Teile für die Ärmel ab. Die Papierkante ist hier gleichzeitig ein Stoffbruch, an dem die Schablone angelegt wird. Ganz klar; Ärmel braucht man 2x.

7) L zeigt zu guter Letzt noch die Manschetten.

Nähen:

1) Zunächst einmal würde ich das Rückenteil zusammennähen: Die beiden Zuschnitte aus EFG werden so auf rechts liegend zusammengenäht, dass die untere Form um Hüften und Taille erkennbar ist. Wichtig bei diesen Stoffen; Immer versäubern. Ich finde, das geht meist am einfachsten, wenn man es immer direkt nach jedem Nähschnitt macht. An die obere Kante des entstehenden Stoffteils kommt dann HI in derselben Weise. Hier wird die Nahtzugabe dann nach oben gebügelt und einmal abgesteppt.

2) Wir nähen gleich an diesem Stoffteil weiter und kümmern uns um die Vorderseite des Hemds. Die beiden ABCD-Teile werden oben (noch nicht an den Seiten!) rechts auf rechts angenäht. Wieder Nahtzugabe nach oben bügeln und absteppen.

3) Dann entstehen die Knopfleisten: Jeweils einmal 1cm und dann noch einmal 2,5 cm nach innen bügeln, sodass sich eine Leiste von 2,5 cm ergibt, die dann noch ganz am Rand rundum abgesteppt wird.

4) Jetzt werden die beiden Ärmelteile rechts und links (an den dafür vorgesehenen Wölbungen)  festgesteckt und -genäht. Beim Ausbügeln sollte die Nahtzugabe unter der Schulternaht, bzw. NICHT unter dem Ärmel liegen: auch hier wird von außen nochmals drübergenäht.

5) Das gesamte Stück wird nun auf links gedreht. Wie ich es schon bei dem Langarmshirt erklärt habe, werden die Seiten in einer einzigen Naht vom unteren Bund über die Achsel hinweg bis 12 cm vor die Ärmelabschlüsse geschlossen. Am offenen Teil werden die Nahtzugaben entweder einfach doppelt nach innen geschlagen und abgenäht oder aber es wird mit einem schmalen Stoffstreifen sauber abgenäht.

6) Kümmern wir uns also um die Details: Kragen, Manschetten, Bund unten und die Tasche. (Die Reihenfolge ist hier nun wirklich egal)

Kragen: Der Kragen selbst wird genäht, indem man die beiden Stoffe rechts auf rechts an drei Seiten zusammennäht. Offenbleiben sollte dabei eine der langen Seiten! Auf rechts bügeln, absteppen. Das zweite Kragen-Stück (ich habe oben erklärt, dass ich den Fachausdruck nicht kenne – ihr wisst was ich meine), besteht aus zwei Teilen: Die Nahtzugaben werden bei beiden nach innen gebügelt. Sie werden links auf links so an den bereits genähten Stoff angelegt, dass der bisherige Ausschnitt dazwischen liegt und beim Abnähen mit festgenäht wird. Genauso wird dann der Kragen, mit der ungeschlossenen Seite eingenäht und schließlich werden die Seiten noch zugenäht.

Die Manschetten werden wieder (wie beim Kragen) an drei Seiten auf links zugenäht (wobei durch den Stoffbruch eine schon geschlossen ist), gebügelt, genäht. In den Ärmel wird eine Falte gelegt (Seht euch das auf einem der Fotos oder an einem Hemd an), sodass dieser Stoff in eine vorbereitete Manschette geschoben werden kann, die dann darüber geschlossen wird. Hierbei kann man noch individuell die Armlänge ausgleichen: Weiter reinschieben -> kürzerer Ärmel, nur ganz knapp in die Manschette geschoben -> längerer Ärmel.

Bund: ganz einfach: Rundherum zweimal nach innen schlagen und abnähen. Natürlich kann man auch ein Schrägband verwenden – Geschmackssache.

Und am einfachsten ist dann wahrscheinlich die Tasche: von oben her wird der Stoff wieder zweimal nach innen geschlagen und abgesteppt. Dann werden alle übrigen Nahtzugaben versäubert und nach hinten gebügelt. An der richtigen Stelle auf das Hemd legen, bis auf die Öffnung oben annähen – fertig!

7) Natürlich nicht zu vergessen: Knöpfe und Knopflöcher an der Knopfleiste vorne und den Manschetten.

 

Ich glaube nicht, dass dieses Projekt etwas für Anfänger ist. Man sollte wohl schon ein paar Kleidungsstücke genäht haben und ein Verständnis für die Logik hinter solchen Schnitten haben…

Bei Fragen helfe ich natürlich gerne weiter!

 

livera

Ich, Vera schreibe seit 2012 auf Livera. Neben Projekten auf Livera und anderen Onlinemedien arbeite ich als Psychologin im Personalbereich, bin unterwegs oder kreativ, baue, berate, koche oder bin begeistert. Die Sache mit der Ironie habe ich immer noch nicht drauf und weil ich manchmal schwer zu verstehen bin, bin ich auch auf keinen Fall zu ernst zu nehmen!

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