Fernweh-Freitag: Ghana

Meine heutige Gastautorin Wibke Akosua kommt sozusagen vom Fach. Auf ihrem Blog Sonnenstrahlenmomente steht das Reisen im Vordergrund; mit all den Geschichten, Eindrücken und Erfahrungen, die sich um das Thema ranken. Besonders hat sie sich dabei in Ghana verliebt, wohin sie seit 2008 jährlich reist und wo sie auch gerne mal länger bleibt. Ihr zweiter Vorname entspringt dem ghanischen Brauch, nach dem man zusätzlich nach dem Wochentag der Geburt benannt wird und selbst ihr Verlobter ist… Ghanaer. Ich freue mich deshalb, dass sie uns heute aus genau diesem Land berichtet.

Ghana. Ein Land voller Gegensätze. Ein Land, das nicht jeder gleich auf dem Schirm hat, wenn es um Fernweh geht. Das westafrikanische Land, ehemals Goldküste genannt, hat für mich das absolute Fernweh Potential. Wobei – ganz so stimmt das nicht, denn im Grunde ist es schon meine Heimat geworden.
Afrika bringt man meist mit bunten Farben, Korruption, wilden Tieren, palmengesäumten Stränden oder Armut in Zusammenhang und vergisst dabei völlig, dass der Kontinent weit mehr zu bieten hat als diese Klischees.
Bevor man aber in die ghanaische Welt eintauchen kann gibt es einige Dinge, die man bedenken muss.


Wie komme ich dorthin?

Zuerst einmal musst du bei der Embassy of the Republic of Ghana in Berlin ein Visum beantragt werden. Die Anträge kannst du dir einfach im Internet downloaden, vier Mal ausfüllen und es zusammen mit dem Impfausweis bzw. einer Kopie nach Berlin schicken. Den Impfausweis brauchst du, da dort die Gelbfieberimpfung eingetragen ist, ohne die du nicht nach Ghana einreisen darfst. Vorsicht: Das Visum wird von der ghanaischen Botschaft für 3 Monate ausgestellt, also für 90 Tage, gilt in Ghana aber nur 60 Tage und muss dann vor Ort verlängert werden. Flüge von z.B. Frankfurt zum Kotoka International Airport in Accra, der Hauptstadt Ghanas, gibt es schon zwischen 600 und 700 Euro.

Vor Ort

Sobald das Flugzeug gelandet ist und du die Stufen hinunter gehst, schlägt dir die feucht-tropische Luft entgegen. Du bekommst einen Geruch in der Nase, den du noch nicht wirklich zuordnen kannst. Nach roter Erde, dem Meer, nach Fisch, Schweiß und bunten Farben. Landest du abends, mischt sich dazu noch der Geruch der Paraffinlampen, die an den Straßenständen als Lichtquelle aufgestellt sind. Der Geruch nach Ghana. Selbst während ich das hier schreibe habe ich das Gefühl, es riechen zu können, so sehr hat sich mir all das eingebrannt. Jeden Tag mischen sich dann neue Gerüche dazu und läuft man über einen der vielen Märkte, ist es ein Schauspiel für alle Sinne, das da auf einen einströmt.

Einen Marktbesuch solltest du dir nicht entgehen lassen. In Accra befindet sich der Kaneshie Market. Ein Markt, den ich vorher so noch nie gesehen habe. Schon vor der Markthalle, einem riesigen, gelb gestrichenen Gebäude mit der Aufschrift Maggie, finden sich etliche Stände. Zu kaufen gibt es alles erdenkliche- von Brot über Fisch, Schnecken, Schuhen bis hin zu skurrileren Dingen wie Schweinefüßen oder Fledermäusen gibt es wirklich alles. In der Markthalle findest du unten sämtliche Lebensmittel. Auch wenn du nichts kaufen möchtest und eigentlich lieber direkt ins dritte Stockwerk hoch möchtest, lohnt es sich, durch die engen Marktgassen zu laufen und sich vom Treiben mitziehen zu lassen. Die Verkäuferinnen sind oft für einen kurzen Plausch zu haben. Über eine Treppe gelangst du dann ins erste Stockwerk. Dort findest du die klassischen afrikanischen Beads, Kokosnussarmreifen und allerlei Krimskrams. Meist kaufe ich dort nur die Kokosnussreifen und gehe direkt weiter ins Stoffparadies im dritten Stockwerk. Kaum hat man die letzte Stufe genommen findet man sich in einem Farbenparadies und einem Meer aus den leuchtenden Stoffen in allen erdenklichen Mustern wieder. Da fällt die Entscheidung schwer. Wenn du es schon bis ganz nach oben geschafft hast gehe doch einmal die Gänge links und rechts entlang und schaue durch die Fenster nach unten. Du wirst einige Dinge entdecken, die du vorher gar nicht wahrgenommen hast.

Aber auch ein Besuch im Arts Center, dem Center for National Culture and Arts and Crafts, in der 28th february Road, also direkt neben dem Mausoleum des ersten ghanaischen Präsidenten Kwame Nkrumah, solltest du einplanen. Wenn du mit einem der öffentlichen Verkehrsmittel, dem Trotro (Kleinbusse), dorthin fährst, steige an der Tema Station aus. In 5 Minuten bist du von dort zum Arts Center gelaufen. Der Eingang des Geländes führt durch einen großen Rundbogen und kaum drinnen kannst du dir schon eine Kokosnuss schmecken lassen. Das kann ich übrigens nur empfehlen. Gehst du nach dieser kleinen Stärkung nach links kannst du den Ghanaern dabei zusehen, wie sie Trommeln und andere Kunstgegenstände anfertigen. Wenn du Glück hast bekommst du von vielen Shopbesitzern auch noch eine kleine Trommelsession. In der Markthalle findest du einzigartigen ghanaischen Schmuck, afrikanische Masken, verschiedene Skulpturen und vieles mehr.

Die ehemalige Goldküste ist aber auch kulturell bzw. historisch ein richtiges Highlight. Der Unabhängigkeitstag wird am 06.März jedes Jahr groß gefeiert. (Übrigens war Ghana das erste afrikanische Land, das 1957 die Unabhängigkeit erlangte.) Es gibt zu jeder Jahreszeit verschiedene Festivals, wie die Twin Festivals oder das Homowor Festival, das in etwas mit unserem Erntedankfest verglichen werden kann. Bei Festivals kannst du besonders gut in die ghanaische Kultur eintauchen, da du viele Bräuche und Rituale zu sehen bekommst, die du sonst vielleicht nicht mitbekommen würdest.

An der Goldküste gibt es einige Sklavenburgen zu sehen. Darunter auch Elmina Castle und Cape Coast Castle, das auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes zu finden ist. Eine dunkle Geschichte der ghanaischen Vergangenheit. Dennoch empfehle ich dir einen Besuch dorthin. Vielleicht entdeckst du dann ja auch wieder den Mann, der da an den Mauern der Burg sitzt. Wenn ja, lass es mich bitte wissen.


Landschaftlich ist Ghana auch nicht zu unterschätzen. An der Küste entlang gibt es palmengesäumte Sandstrände, wie den in Butre. Um dorthin zu gelangen musst du in dem kleinen Fischerdörfchen aussteigen und dann führt dich der Weg über eine Brücke den Strand entlang. Ein schönes Fleckchen Erde zum erholen und relaxen, bei dem du das Gefühl haben wirs, am Ende der Welt zu sein. Nach ein paar erholsamen Strandtagen geht die Reise weiter in den Regenwald. Im Kakum National Parc kannst du über 7 Hängebrücken, die insgesamt eine Länge von 330 Metern haben, durch den Regenwald laufen. Neben dem canopy Walkway gibt es weltweit übrigens nur vier weitere solcher Walkways, bei denen man hoch oben durch den Regenwald gehen kann. Eine wirklich tolle Erfahrung, auf den Hängebrücken zu stehen und über den Regenwald mit seiner einzigartigen Pflanzenwelt zu schauen.

Noch besonderer sind aber die Wli Wasserfälle an der Grenze zu Togo, die inmitten von 1000 Meter hohen Bergen zu finden sind. Die Wli Wasserfälle sind die höchsten in ganz Ghana und somit definitiv einen Besuch wert. Neben diesen Wasserfällen gibt es noch die Boti Falls, zwei ebenfalls sehr beeindruckende Wasserfälle, die ich persönlich sogar noch etwas atemberaubender finde als die Wli Falls. Die Boti Falls werden oft auch Twin Falls genannt und man sagt der eine wäre männlich, der andere weiblich. Wenn du Safari mit Afrika assoziierst kommst du auch hier auf deine Kosten- im Norden liegt der Mole Parc, in dem du besonders während der Trockenzeit viele Elefanten und noch mehr zu sehen bekommst.

Ich könnte noch stundenlang weiter erzählen, aber das würde leider den Rahmen hier sprengen.

 

Wenn du dir immer noch nicht sicher bist, weshalb du unbedingt einmal nach Ghana reisen solltest, habe ich hier noch 7 Punkte für euch, weshalb Ghana so einzigartig ist

  • Perfekt, wenn man zum ersten Mal nach Afrika reist
  • Hilfsbereite, freundliche Menschen
  • Atemberaubende Landschaften
  • Leuchtende Farben
  • Leckeres Essen- probiere auf jeden Fall einmal Redred, Fufu und Tilapia mit Banku
  • Eine faszinierende Kultur
  • Gegensätze, so weit das Auge reicht

Dieses einzigartige Land ist immer eine Reise wert, die du nie vergessen wirst. Vor allem, da es meist ganz anders kommt, als du es vorher geplant hast und es dann eigentlich immer noch besser wird, als du dir vorgestellt hast.

Ich hoffe dir hat mein kleiner Ausflug nach Ghana gefallen und dieses wunderbare Land landet nun vielleicht auch auf deiner Travel- Bucketlist. Auf meinem Blog http://sonnenstrahlenmomente.blogspot.de/ findest du noch mehr über Ghana.

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

SHOWHIDE Comments (4)
  1. Hallo,
    was ich mich immer Frage: Welche Unterkunft nimmt man in solch einem Land? Gibt es da auch alternative Möglichkeiten? Hostels? Airbnb?
    Danke schon mal!
    LG A.

    1. Hallo (=
      Neben den wirklich teuren Hotels gibt es auch kleinere Hotels, deren Preis- Leistungsverhältnis wirklich gut ist, genauso wie gute Hostels. In diversen Ghana Reiseführern sind aber leider einige Unterkünfte beschrieben, die es mittlerweile nicht mehr gibt bzw von denen ich eher abraten würde. Die besten Hostels bzw Unterkünfte findet man durch Mundpropaganda. Airbnb gibt es in Ghana ebenfalls und das sogar nicht nur in der Hauptstadt, sonder an den meisten Knotenpunkten, die für Backpacker oder Reisende allgemein interessant sind- darunter z.B auch Tamale im Norden. Ich verlinke dir hier die dazugehörige Seite von Airbnb einfach mal: https://www.airbnb.de/s/Ghana#

      Falls du interesse hast schreib mir aber gerne auch eine Mail, dann kann ich dir Tipps zu guten Unterkünften geben.

      Liebe Grüße

      1. Liebe Akosua,

        das ist ja wirklich interessant. Hätte ich ja nicht erwartet, dass es gerade airbnb so viel gibt.
        Danke für deine vielen tollen Infos und die schönen Bilder!

        Liebe Grüße,
        Vera

        1. Liebe Vera,
          nichts zu danken. Gerne. Danke dir. (=
          Ja, airbnb gibt es mittlerweile ganz schön viele und auch wirklich in guten Lagen, sodass es schon mal eine Überlegung wert wäre, es mal auszutesten. Obwohl das für mich ja nicht wirklich eine Option wäre, da ich dort ja schon ein haus habe.

          Ganz liebe Grüße

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