Projekt „Stressmanagement“

Das Thema „Stress“ beschäftigt mich gerade. Abgesehen davon, dass ich für meinen Abschluss darüber lese, hatte ich im Februar… Stress. Und nicht nur ich. Das Gefühl, unter Stress zu leiden kennt wohl fast jeder und dann gibt es oft diese Zeiten, in denen es allen gleich zu gehen scheint: Scheinbar alles kommt auf einmal. Ich habe im Februar beschlossen mich dem Stress zu stellen. Und wisst ihr was? Es hat super funktioniert!

Natürlich muss jeder seine eigenen Wege finden und zu viel Platz sollte man dem Thema wohl gar nicht einräumen. Trotzdem konnte ich für mich über die letzen Jahre ein paar Dinge herausfinden, die mir den Stress vom Hals halten. Wollt ihr meine Top-7-Waffen gegen Stress wissen?

Ich sage das immer wieder und habe es auf dem Blog wohl schon tausend Mal erwähnt: Wer hier mitliest weiß, ich stehe auf Prioritäten. Ein Satz, den ich als Kind oft gehört habe, heißt: „Man kann nicht alles haben“. Und ich habe mich immer gefragt: Warum eigentlich nicht? Ich bin heute der festen Überzeugung: Man kann alles haben. Alles das, das einem wirklich wichtig ist. Das ist aber wohl schon die schwierigste Challenge an dem Ganzen: Was will ich eigentlich? Und wenn es Überschneidungen gibt; was ist mir wichtigER? Es ist gar nicht so einfach das herauszufinden und für mich heißt das noch nichtmal sich von „unwichtigeren“ Wünschen zu verabschieden. Es geht einfach nur darum, sich zu überlegen, in welche Dinge des Lebens man seine Energie stecken möchte. Oder welche man zuerst in Angriff nimmt und welche warten müssen.

Für mich hat auch ein Ausgleich (Sport, Aktivitäten mit Freunden, Kreativ sein,…) immer super hohe Priorität!

Prioritäten führen zu einem nächsten Punkt, den ich mir gerne bildlich vorstelle: Aussortieren. Alles das, das doof ist, muss weg! (Die nächste große Prüfung oder die Teambesprechung zählt da natürlich nicht dazu, die ist nun mal nötig, wenn etwas Größeres, Wichtigeres dahinter steht. Und damit in diesem Sinne nicht doof.)
Was tut mir (nicht) gut? Ich finde es ist so ein tolles Bild, all das, das einem nicht gut tut rauszuwerfen, auszusortieren, loszuwerden. Wir tragen so viel Mist mit uns rum, haben so viele Termine im Kalender, die man halt mal so macht oder so viele Kontakte oder Aktivitäten, die wir nur noch erhalten, damit sie nicht abbrechen.
Wieviele To-Do-Punkte stehen auf meiner Liste, die eigentlich nicht wichtig sind aber in Summe den Eindruck vermitteln, ich hätte unfassbar viel nebenbei zu erledigen?
Mir persönlich fällt es sehr schwer, auszusortieren und loszulassen (egal ob real, im Kalender oder im Kopf) aber es tut jedes mal unheimlich gut! Und ich fühle mich danach frei.

Eine Sache, die ich in meinem Studium in ungefähr jedem Seminar zur Praxis gehört habe, ist: Ziel, Ziel, Ziel. Ohne Ziel geht nichts. Ohne Ziel keine Beratung, keine Therapie, kein erster Schritt, kein guter Wille, keine Vorfreude, keine Hoffnung, keine Ausnahmen, kein Fortschritt, keine Verbesserung,… Das Ziel muss VORHER da sein. WAS soll sich verbessern, so bleiben, erreicht werden? Mir hilft es manchmal, mir genau das vor Augen zu führen. Wofür mache ich all das eigentlich? Und noch viel wichtiger: Bin ich eigentlich auf dem Weg dorthin oder laufe ich längst einem oberflächlichen Scheinziel hinterher?

Noch was, dass man aus der Psychologie lernen kann: Teilziele. Ziele, welche eine Strecke teilen oder Ziele, die eine Stufe zum übergeordneten Ziel darstellen. Man kann darauf hinfiebern, freut sich über Erfolge, hat das Gefühl voranzukommen und nicht zuletzt kann man auch dort ankommen, wenn man denn weiß wo man hinwill.

Der nächste Punkt ist an dieser Stelle eigentlich unersetzbar: Es braucht einen Plan!
In besonders vollen Zeiten teile ich mir meine Zeit wirklich akribisch ein. Während ich früher immer Pläne hatte, die ich dann überschritten habe und dadurch immer positiv war, hatte ich in letzter Zeit oft Pläne, die nicht schaffbar waren. Was Dooferes gibt es eigentlich gar nicht!

Im Prinzip sind wir wieder bei Teilzielen. Bzw. einer Organisation derer. Für mich macht es einfach Sinn, mal ein bisschen zu gucken, was eigentlich so auf einen zukommt und welche Ressourcen man dafür hat. Das heißt sicher nicht, alles genau zu organisieren und dann gestresst zu sein, weil man keine unverplante Minute mehr hat, sondern nur einen Überblick zu behalten. Mir hilft es oft schon, Dinge die mir in den Kopf kommen, mir momentan aber zu viel Arbeit oder Zeit in Anspruch nehmen würden in ein paar Wochen in den Kalender zu schreiben. Ich weiß damit, dass ich es nicht vergessen werde und bin für den Moment davon erleichtert.

Ich finde, wenn ich jetzt von Fokus anfange, klingt das so stressig. BLOß nicht den Fokus verlieren. Was ich damit meine ist einfach nur, zwischendrin mal rauszukommen aus all dem Plan- und Vorsatz-Ding und sich bei aufkeimendem Gefühl der Überforderung zu fragen: Warum eigentlich?

Ich finde im Stress verliert man oft den Blick für das große Ganze. Und das ist so schade, denn wenn ich weiß, welchen Weg ich gerade gehe, kann ich auch meine aktuelle Situation wieder viel mehr genießen. Das ist sicher auch ein Grund, warum Pausen und Ablenkung so wichtig sind.

Am wichtigsten ist meiner Meinung aber, an sich und seine Sache zu glauben. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch, aber wenn ich in Arbeit stecke, werde ich manchmal irrational. Dann frage ich mich gar nicht mehr, wie ich meine Chancen realistisch einschätze, sondern gebe mich einfach der irrationalen Angst hin, es könnte nicht reichen oder es würde alles zu viel. Das ist wieder das Fokus-Thema. Und die Einschätzung: Alles wird gut. Ich habe mich für diese Sache entschieden, also ist sie gut.

Eben eine Überzeugung von den Dingen, die man tut – und von den eigenen Fähigkeiten.

Überall liest man „Tu, was du liebst“, ich finde viel wichtiger ist zu lieben, was man tut. Zwingt einen ja niemand dazu irgendwas zu tun. Jetzt kann man natürlich einfach immer tun, was man möchte, aber mal ehrlich: Wer kann das denn?

Man entscheidet sich eben für oder gegen Termine, Jobs, Möglichkeiten, Aktivitäten, Vorsätze,… weil man sie gut oder schlecht findet und manchmal steckt dahinter auch Arbeit. Aber diese Arbeit hat ein Ziel. Ich vergesse das im Stress viel zu oft: Ich DARF das hier machen.
Manchmal hat man sich natürlich nicht frei entscheiden können für dieses oder jenes. Aber wenn es auch das Einzige ist, das man Positives daran findet: Es gibt immer ein Ziel. MEIN Ziel, das MEIN Leben ausmacht und schon aus diesem Grund gut ist. Und ich glaube wenn wir ganz ehrlich sind, dann bleiben in einem Land wie Deutschland (Österreich, Schweiz,…) doch nur seeeeeeehr wenige Dinge, die wir wirklich müssen. Oder sind die damit verbundenen Konsequenzen doch wichtiger als das, das man dafür tun muss? Hier schließt sich wohl der Kreis zum Entscheidung-Punkt. Dieser Punkt ist ein bisschen der Überpunkt aller anderen. Genauso wie der nächste…

Das Wichtigste ist einfach immer, dass es mir trotz allem gut geht, oder? Deshalb sind für mich auch Dinge wichtig, die mit der „Stress-Sache“ oder „Stress-Situation“ an sich nichts zu tun haben: Gute Ernährung, Bewegung, Draußen sein, soziale Kontakte,…

Eine letzte Sache bleibt mir, die so allgemeingültig wie bedeutend ist: Wie fast alles, ist es die Entscheidung, die es am Ende ausmacht. Mit der Entscheidung für oder gegen Stress steht und fällt alles.

Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass das für mich der wichtigste und vor allem entscheidendste (;) ) Punkt gegen Stress ist. Ich lasse Stress nicht zu! So schwer und so einfach. Nicht dass hier jemand behauptet, es wäre total stressig meine Stress-Waffen zu befolgen .

 

Übrigens:

Ich wende diese Prinzipen natürlich immer an und das funktioniert auch immer perfekt. Ich kenne quasi keinen Stress und bin immer ausgeglichen. Dabei fällt mir das alles immer total leicht und mein Leben gelingt quasi automatisch. IMMER.

Außer manchmal. Das gehört nun mal auch dazu. Manchmal hat man Stress. Und manchmal hat man dieses Gefühl, wenn man abends nach Hause kommt, aus einer Prüfung kommt, eine Sache erledigt, ein Problem gelöst oder einfach nur den Tag hinter sich gebracht hat und der ganze Stress zuvor weicht einem Gefühl von Erleichterung, Stolz und/oder Glück. Und das ist schließlich auch was wert.

 

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

SHOWHIDE Comments (12)
  1. Dieser Artikel ist ja großartig. Die Bilder dazu, die Ideen, deine Worte… Check! Alles super! Ich werde versuchen mir eine Scheibe abzuschneiden. Vielleicht male ich mir ein Bild dazu und hänge es über den Schreibtisch? Auf jeden Fall hast du das toll gemacht.
    Liebste Grüße und noch einen schönen Ostermontag,
    Eva

    1. Ne, bitte sag nicht, du möchtest dir eine Scheibe abschneiden – das klingt ja, als würde ich das alles immer so vorbildlich hinbekommen
      Danke dir für deine lieben Worte!
      LG Vera

  2. Sehr schöne Gedanken! Nachdem ich deinen Post gelesen hab, war ich so motiviert, dass ich gleich meinen Schreibtisch ausgemistet und mich von den riesigen Papierbergen, meinem größten Stressfaktor, getrennt habe.

    Liebe Grüße,
    Marie

  3. Zuckersüße Bilder!! und ich bin trotz meiner Lesefaulheit bis zum Schluss hängen geblieben Werde den Artikel gleich mal einem Freund empfehlen

    Liebste Grüße
    Marie

    1. Echt, du gehörst zu den Lesefaulen?
      Ja klar, es geht um die Freunde – ich hab den Artikel auch nur für andere geschrieben, die ihn brauchen können

  4. Dem Freund gefällt der Artikel auch. Schön geschrieben und die wichtigen Dinge auf den Punkt gebracht. Es hilft immer sich Lösungsstrategien gegen Stress öfters vor Augen zu führen um eine Art „Routine“ zu bekommen

  5. Wow, toller Artikel! Ich musste gerade bei der Arbeit einmal kurz innehalten. Vielleicht hänge ich mir deine Stichpunkte an die Wand und schaue sie mir jeden Morgen an, um entspannt und locker zu bleiben. Ganz liebe Grüße!

  6. Wenn doch nur der Stress da wäre, damit ich endlich den Hintern hoch bekomme und anfange die Thesis zu schreiben. Wenn ich dann endlich im Fluss bin, wird mich dieser tolle Post, mit den schönsten Illustrationen, sicher begleiten

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