Vegan May – ein Selbstversuch

Im Monat Mai habe ich spontan einen Selbstversuch gestartet: Ich wollte mich einen Monat lang vegan ernähren. Wer den Blog hier kennt, weiß auch um meine Lederliebe, aber in Sachen Ernährung habe ich in den letzten Wochen und Monaten von so vielen verschiedenen Seiten so vieles gehört, dass ich es einfach selbst rausfinden wollte: Macht vegane Ernährung wirklich fitter? Ernährt man sich wirklich besser? Ist es wirklich so schwer und ist die Umstellung tatsächlich so groß?

Eines vorneweg: Ich bin ein Tierfreund. Aber noch mehr bin ich Menschenfreund und bin davon überzeugt, dass der Mensch genügend Hirn besitzt, verantwortungsvoll tierische Erzeugnisse zu konsumieren. Theoretisch. Mein Ansatz ist dabei deshalb weniger der Verzicht aus Überzeugung als tatsächlich ein Selbstversuch. Über kurz oder lang liegt für mich die Lösung solcher Probleme wie die der Tierhaltung eher in einem verantwortungsvolleren (vor allem maßvolleren!!!) Konsum.

Wie schwer ist es wirklich?

Ich habe nie viel tierische Produkte gegessen, aber etwas gibt es doch: Joghurt. Ich kann auf Milch eher verzichten, den Kaffee trinke ich auch schwarz, Ei brauche ich nur zum Backen, Sahne benutze ich schon aus anderen Gründen nicht – aber Joghurt esse ich jeden Morgen und wann immer mir nach Süßem ist.

Dazu muss ich sagen, dass ich mir vorgenommen hatte, mir keinen Druck zu machen bei der Sache. Das ist wie mit dem Sport: Wenn man unbedingt muss und nicht will, dann funktioniert es nicht. Ich habe deshalb schon nach ein paar Tagen Verzicht auf dem Heimweg ein Joghurt gekauft. Ich hatte Kopfschmerzen, eine vegan lebende Kollegin erzählte mir, das sei ganz normal und bei ihr auch so gewesen im ersten veganen Monat – da bin ich völlig entnervt nach Hause und habe aus Überzeugung meine eigenen Regeln gebrochen. Mit dem Joghurt gab es gegen Ende ein paar Verstöße…

UND. Ich habe ein Frühstücksei gegessen. Und das, obwohl ich das nie mache, weil mir davon eigentlich schlecht wird. Beim Frühstück mit einer Freundin in einem quasi veganen Café habe ich Frühstück mit Ei bestellt…

Alles andere lief für mich tatsächlich ohne wirklichen Verlust. Ich hatte bei ganz vielen Produkten Angst: Ist da was Tierisches drin? Meist war das aber nicht mal so und das Vegan-Siegel habe ich im Nachhinein auf vielen Produkten entdeckt, die ich schon zuhause hatte. Ganz ehrlich: Dieses „Riesen-Umstellungs-Getue“ ist wirklich Schwachsinn. Außer man hat vorher extrem unbedacht gelebt. Ich habe mich auch nicht gesünder als vorher ernährt und im wesentlichen habe ich dasselbe gekocht wie zuvor: Nur eben mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es vegan sein sollte und hier und da hab ich natürlich doch mal was Tierisches weggelassen. Zum Beispiel bei den Muffins für den Geburtstag einer Freundin. Die wären wohl auch mit Ei und Milch besser gelungen .

Die Produkte

Ich habe oft von Veganern gehört, sie würden sehr viel vielseitiger leben, seit sie sich vegan ernähren. Für mich trifft das nur bedingt zu, das liegt allerdings auch an anderen Prioritäten, die ich habe.

Erstmal sind Ersatzprodukte extrem teuer. 3,70 für einen Liter Milch, den ich sowieso alleine gar nicht aufbrauchen kann, ist mir einfach zu viel. Auf der Suche nach einem Mini-Pack, habe ich schließlich versehentlich Sahne-Ersatz gekauft. Habe ich erwähnt, dass ich Sahne ohnehin nicht benutze? Mandelmilch und Co. habe ich einfach nur gesüßt oder mit Geschmack in kleinen Packungen gefunden. Mein Freund wollte außerdem nicht mitmachen und so kaufte ich erstmal Sojamilch und -joghurt, die ja preislich nicht so viel höher liegen. Die allerdings sind nicht nur geschmacklich und von der Konsistenz her ein Kompromiss, sondern für mich auf Dauer auch nicht die Lösung. Wie schön, wenn die heimischen Milchkühe verschont bleiben und dafür im Regenwald ganze Arten aussterben!

Als ich nach meinem ersten „Motivation-Vegan-Einkauf“ aus dem Geschäft ging, hatte ich außerdem Produkte aus aller Welt gekauft; aber kein einziges aus der Region.

Und jetzt? Mein Resümee.

Bin ich fitter geworden? Nein. Vielleicht hätte ich es dazu länger durchziehen müssen, aber ich glaube ehrlich gesagt, dass das auch eher auf Menschen zutrifft, die ihre Ernährung insgesamt damit mehr umgestellt haben; die vielleicht vorher sehr viel ungesünder gelebt haben. Bis auf den Joghurt war dieses Experiment auch wirklich nicht zu fordernd.

Am Ende des Versuchs hatte ich einen Eisenmangel (obwohl ich mir natürlich durchaus Gedanken gemacht habe, was mir durch vegane Ernährung fehlen könnte), allerdings ist es wohl auch nicht die klügste Idee, so eine Umstellung ausgerechnet in eine Diätphase zu legen. Dennoch: Ich fühle mich besser. Ich habe abgenommen. Ich achte ein bisschen bewusster auf tierische Inhaltsstoffe.

Allerdings bemerke ich auch, wie mir bei jedem nicht-veganen Produkt, das ich kaufe, bei jedem nicht-veganen Rezept, das ich lese und jedem nicht-veganen Instagram-Post, den ich sehe, der Gedanke kommt: „Uuuups, das ist falsch!„. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man es schnell seltsam findet, wenn andere scheinbar so unbedacht tierische Erzeugnisse konsumieren. Und das ist für mich auch die andere Seite der Medaille: Dieser Krieg, den manche Veganer führen. Gegen (potentielle und tatsächliche) Vorurteile, gegen sich selbst, gegen andere Lebensentwürfe. Und so möchte ich nie werden! Manchmal empfand ich es dann schon als erfrischend, wenn Leute sich um diese Dinge rein gar keine Gedanken machten. Dennoch: Der Grundgedanke ist mir wichtig, aber ich halte nichts von zu extremen politischen, sozialen und Lebenseinstellungen, weil sie immer ein richtig und falsch indizieren und am Ende eher selten tatsächlich zu einem Ergebnis führen – weil sich die Fronten verhärten. Ich finde es bescheuert, dass der Verzicht auf tierische Produkte das Label „Vegan“ braucht und dass man einteilt in vegan und nicht-vegan. Worum geht es denn bitte am Ende? Darum, der bessere Mensch zu sein oder um die Sache?

Ich werde weiter versuchen, so gut es geht auf tierische Produkte zu verzichten. Aber wenn mir nach Joghurt, Milch oder sonstwas ist, dann werde ich das essen!

livera

Ich, Vera schreibe seit 2012 auf Livera. Neben Projekten auf Livera und anderen Onlinemedien arbeite ich als Psychologin im Personalbereich, bin unterwegs oder kreativ, baue, berate, koche oder bin begeistert. Die Sache mit der Ironie habe ich immer noch nicht drauf und weil ich manchmal schwer zu verstehen bin, bin ich auch auf keinen Fall zu ernst zu nehmen!

SHOWHIDE Comments (15)
  1. Liebe Vera,

    im Großen und Ganzen bin ich ganz bei Dir. Ich versuche auch, möglichst wenig tierische Produkte zu verwenden, ohne vegan zu leben. Bei mir ist es allerdings nicht Joghurt, sondern Käse, bei dem mir der Verzicht schwer fällt

    Am schlimmsten finde ich jedoch, dass alles so undurchsichtig ist und man es eigentlich nie „richtig“ machen kann: Beispielsweise, dass eben viele vegane Produkte einmal um den Globus gekarrt werden. Allerdings, was den Soja-Anbau angeht, möchte ich sagen, dass der Großteil der Produktion für Tierfutter verwendet wird (70%), und eben nicht direkt auf unserem Teller landet: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/182099/umfrage/anteil-der-ernte-fuer-tierfutter-2011/
    Das heißt, wenn man Kuhmilch trinkt, unterstützt man möglicherweise indirekt den Sojaanbau. Dafür müsste man wiederum wissen, was Kühe eigentlich zum Futtern bekommen. Und genau das meine ich mit „undurchsichtig“.

    Liebe Grüße

    1. Hallo Aylin,

      mit dem Sojaanbau hast du natürlich recht, ich habe das auch schon gelesen und die Aussage war wohl nicht so tief durchdacht. Mir ging es dabei um etwas anderes: Nämlich ob der Vegane Lifestyle per se die Lösung ist. Ich finde die Konsummenge viel entscheidender und dabei sind wir wieder beim Sojaanbau (und das habe ich bisher noch nicht mal bedacht); der extreme Konsum ist für meine Begriffe das Problem.
      Und das Schöne ist: Einen maßvollen Umgang kann ich selbst bestimmen, da ist die Transparenz erstmal nicht ausschlaggebend.

      Für mich persönlich ist so eine „Konsum-Reduktion“ mein Weg, denn Verzicht auf tierisches Joghurt fällt mir schwerer. Klar kann man sagen ich unterstütze den Sojaanbau in Sonstwo, aber dabei liegt der Knackpunkt für mich woanders. Puh, war das nachvollziehbar?

      Danke für deine Meinung!

      LG Vera

  2. Liebe Vera,
    ich kann deine Soja Geschmacks & Konsistenz Abneigung verstehen solltest du dich doch mal wieder daran versuchen kann ich dir (ergänzend zum ersten Kommentar) sagen, dass beispielsweise Joya (wie der Joghurt oben) nur Soja aus Österreich verwendet und es bei Billa noch andere Soja Produkte aus Österreich gibt

    1. Echt? Das habe ich total übersehen…
      Ich hatte den „Sojadrink“ von Aldi/Hofer und musste die Hälfte entsorgen, weil sie mir schlecht wurde. Da waren alle möglichen Angaben zum CO2-Verbrauch drauf, aber das Herkunftsland (müsste man jetzt nachsehen) hat mich zum Nachdenken gebracht.
      Wieauchimmer: Sollte Joya auch noch so regional sein, ist es für mich nicht die Lösung

      1. Ich glaube Alpro hat auch Quellen in Deutschland/Frankreich. Könnte man jetzt diskutieren, wie viel besser das ist

    1. Naja, ich denke man muss halt einfach ein bisschen darauf achten und vielleicht ist es tatsächlich nicht für jeden gut (hab von einer gehört, die angeblich deshalb pausieren musste). Aber der Resultate ist für mich schon: Vegan ist nicht alles. Da muss man etwas mehr Bedenken…

  3. Mh, ich teile Deine Gedanken zu einem guten Teil. Ich bin vor ewigen Zeiten Vegetarier geworden, teils wegen den Tieren, teils weil es mir extrem leicht fiel ( Ich habe Fleisch nie vermisst oder Hunder drauf gehabt und Fisch mochte ich noch nie). Und Irgendwann kam es in Mode, vegetarisch oder vegan zu leben, es gab Bücher mit dem grandiosen (hüstel) Titel Vegan für fit und wirklich jeder gab jetzt seinen Senf dazu. Was zu unglaublich bescheuerten Diskussionen beim Essen führte (und davor und danach). Aber immerhin bekam man jetzt auch Seitanburger im normalen Supermarkt.
    Die militanten Veganer hab ich irgendwann aus meinem Freundeskreis gestrichen, weil ich keine Lust hab missioniert zu werden. Und auch, weil ich es sinnlos finde, dass sich die gesamte Menschheit vegan ernährt. Ja, es wäre an der Zeit für einen sehr viel maßvolleren Fleischkonsum. Es wäre aber auch an der Zeit, nciht mehr Biogurken in Marokko anzubauen, dies in Kunststoff einzel zu schweißen und dann quer durch Europa zu fahren.
    Es ist wie bei allem das Maß und die eigenen Möglichkeiten, so etwas umzusetzen. Ich persönlich finde, Essen ist etwas, was einen glücklich und satt machen sollte. Man sollte sich bewusst sein, was man da vor sich hat, woher es kommt und auch was alles darin steckt (Herkunft, Ressourcenverbrauch, aber auch Tierhaltung, Schlachten, das Leben der Menschen, welche das Essen produziert haben). Aber man sollte auch darauf achten, dass es einem schmeckt

    PS: Auf die Eisenfrage: Erstens gibt es Eisenpräparate (für die Faulen unter uns ) und zweitens gibt es ne Menge Zeugs, was pflanzlich ist UND Eisen enthält. Rote Beete, Hirse, Erdbeeren fallen mir spontan ein. Mit Vitamin C eingenommen zur besseren Aufnahme und nem Auge drauf kriegt man auch kein Eisenmangel.

    1. Genau!

      Wobei ich zu Nahrungsergänzugsmittel wieder etwas kritisch stehe. Aber dieser bewusste Konsum betrifft eben nicht nur die von dir genannten Punkte, sondern auch die Inhaltsstoffe, Vitamine, Mineralien,..

  4. Sehr spannend und mal kein vegan jippie yeah – Beitrag.
    Wir essen hier genau wie du nur sehr bewusst Fleisch und das regionale und saisonale Einkaufen ist uns wichtiger als striktes Ablehnen aller Tierprodukte. Bei mir wäre es wie bei Aylin auch der Käse, der mir fehlen würde. Nur das Undurchsichtige nervt mich häufig. Wenn man nicht recherchiert weiß man gar nicht, was gerade Saison hat. Gibt ja immer alles. Und welche Kphe dann wie leben und was gegessen haben? Wann ist Bio wirklich sinnvoll? Irgendwann werde ich doch noch Selbsterzeuger.
    Liebste Grüße
    Eva

    1. Oh ja, ein riiiiiesiger Garten mit allem drum und dran, das man braucht um sich gesund zu ernähren… Nur mit dem Schlachten hätte ich ein Problem. Wenn ich von diesen Biobauern höre, die wirklichwirklich verantwortungsvolle Tierhaltung und -schlachtung betreiben finde ich es immer krass, wie die es dann schaffen die Tiere trotzdem zu schlachten…
      Es ist wohl eine ständige Auseinandersetzung mit dem Thema, die uns den für uns bestmöglichen Umgang ermöglicht. Aber nach dieser Logik sind wir alle ja nicht auf dem schlechtesten Weg .

      LG Vera

  5. Ich finde gegen Joghurt, Ei und co. ist auch nichts einzuwenden. Dass man mal mehr darauf achtet, tierische Fette zu vermeiden oder bewusster zu essen, dann bin ich ganz dabei! Da muss jeder das für sich passende Mittelmaß finden und letztendlich das tun, was gut tut. Mich würde es stören, bei jedem Restaurantbesuch so eingeschränkt zu sein, da irgendwo ja was tierisches drin stecken könnte. Und neidisch auf die Pizza der Bekannten zu schauen. Für mich zählt da das mittelmaß : mal geht, immer nicht.

  6. Puh, endlich bin ich mal dazu gekommen, hier wieder zu lesen
    Was die Herkunftsgebiete so angeht, habe ich noch gar nicht richtig mitbekommen/darauf geachtet, dass anscheinend vieles nicht regional produziert wird. Ist auf jeden Fall eine Überlegung wert, wenn man sich entscheidet, fortan vegan zu leben.

    Für mich wäre Veganismus nichts. Mir würde wahrscheinlich der Klecks Milch im Tee oder bei den Cornflakes fehlen. Und Frischkäse! Mein Gott, was kauf ich viel Frischkäse. Zum Kochen als Sahneersatz und mit anderen Sachen zu Aufstrichen verrührt… Außerdem: Schokolade.
    Hafermilch haben wir aber relativ oft da. Die schmeckt einfach gekühlt auch ganz nett…

    Besonders viel Fleisch kaufen wir sowieso nicht. Beim Discounter schmeckt es einfach nicht und ein bisschen schwingt im Kaufverhalten auch die Massentierhaltung mit. Auch wenn wir quasi noch ach so arme „Studenten“ sind, nehmen wir lieber die Freilandhühnereier oder halt Bio-Fleisch. Überhaupt kaufen wir in letzter Zeit mehr Bio-Ware. Bei der Paprika ist das allerdings notgedrungenerweise so, weil die hier einfach so stark chemisch riechen und schmecken, das man es einfach nicht wegbekommt.
    Für uns sollte die Ernährung vor allem halbwegs gesund sein, und den Erzeugern gegenüber fair bezahlt. Der „kein Tier sollte für meine Ernährung herhalten müssen“-Aspekt ist mir nicht so recht einleuchtend… Andere Tiere kümmern sich da auch nicht drum…

    Ich hatte letztens zufälligerweise den Begriff Flexitarier gelesen und würde uns dort einordnen. Wenn schon Fleisch und Fisch, dann gute Qualität und möglichst mit nachhaltiger Herkunft.
    Ich hoffe, dass wir jetzt die Generation sind, die vermehrt auf fair-trade und Nachhaltigkeit achtet. Der aktuelle Fleischkonsum in manchen Familien ist echt nicht gesund…

    Schöne Fotos wie immer

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