Über glückliche Bauern und Tiere

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Mein Artikel vor einiger Zeit auf re:BLOG über den Bio-Bauern in Mantscha, Österreich, hat durchaus kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Trotzdem oder gerade deshalb wollte ich dieses Thema auch hier nochmal aufgreifen.

Nachdem ich Milchprodukte verwende, finde ich es wichtig, mir darüber Gedanken zu machen, wo die Produkte herkommen. In Deutschland, Frankreich, Österreich sind wir es gewöhnt, günstige Preise für Milchprodukte zu zahlen. Doch die Debatte über die finanzielle Situation der Milchbauern in den letzten Wochen und Monaten regt zum Nachdenken an: Milch von „glücklichen“ Kühen bei fair finanzierten Milchbauern zu kleinen Preisen – geht das überhaupt?

Frische Heumilch-Produkte vom Biohof

Kleines Kälbchen auf dem Milchhof dsc_8097

Die Diskussionen um EU-Förderungen lassen einen daran zweifeln, oder?

Glück ist natürlich ein ganz großes Wort. Grundsätzlich muss auch jeder für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Prioritäten und Grenzen liegen. Wenn man genauer hinguckt, findet man in den meisten großen Städten unterstützenswerte Alternativen, welche freundlicher zu den Bauern und ihren Tieren sind und dennoch auch für ein kleines Haushaltsbudget taugen.

Ich hatte das Glück, von Thomas Gschier auf seinem Mantscha-Hof  in der Steiermark herumgeführt zu werden. Der Betrieb wurde 1994 gemeinsam mit den beiden benachbarten Höfen auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt, 1997 um eine Molkerei ergänzt und wird mittlerweile in zweiter Generation geleitet.

Die Umstellung auf biologischen Landbau ist eine Überzeugungsentscheidung, denn rein finanziell machen sich der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und ertragssteigernde Betriebsmittel nicht bezahlt. Die Tiere leben in Freilaufhaltung und dürfen über die Sommermonate auf die Weide. Dabei können sie dank eines Melkroboters selbst entscheiden, wann sie gemolken werden.

Der Betrieb ist familiär, auf unserer Tour über den Hof begleitet uns der fast fünfjährige Joseph und zeigt uns stolz, was sich hinter den elektrischen Toren des Heu-Lagers versteckt: Damit die knapp über 60 Mantscha-Müch-Kühe etwa 1000 Liter Heumilch erzeugen, benötigen sie täglich mindestens drei der lagernden Heuballen. Für den Bedarf im Winter muss im Sommer vorgesorgt werden, 60 ha Grünland stehen dafür zur Verfügung. Es gibt also noch einiges zu tun für die Bauern.

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Damit die tägliche Arbeit in der Milchverarbeitung zu bewältigen ist, hat sich Familie Gschier mit den beiden Nachbarhöfen zusammengeschlossen. Im Wechsel übernehmen die drei Familien die Molkerei, Milch und Joghurt werden als „Mantscha Müch“ in etwa 60 Betrieben in Graz und der Umgebung direkt vertrieben. Mantscha ist die Herkunftsregion der Kühe und ihrer Milch, Müch ist das Wort Milch im steirischen Dialekt. Nur die Bio-Fruchtzusätze für den Joghurt werden aus der Schweiz zugekauft.

Mantscha Müch ist also gewissermaßen ein Vorzeige-Biohof. Die beste Alternative ist natürlich immer Frisch- bzw. Rohmilch direkt vom Bauernhof. Wem aber das nicht schmeckt (und da kenne ich viele), der sollte trotzdem eigentlich überall eine pasteurisierte Alternative zur klassischen Supermarkt-Milch finden, die das Gewissen gegenüber den Milchbauern und ihren Tieren erleichtert.

Ich habe hier für verschiedene Bundesländer noch andere vorbildlich-nachhaltige Betriebe herausgesucht. Vielleicht habt ihr ja auch noch Tipps oder Meinungen?

 

dsc_8112  Kleine Kälber auf dem Bio-Bauernhof

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

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