Drei Fragen zu unserer Zeit, die wir uns alle stellen können

Drei Fragen, die wir uns alle über unsere Zeit stellen sollten

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Instagramfeed durchgescrollt und mir ist, ganz ohne das jetzt zu überzeichnen, in den ersten paar Sekunden Folgendes untergekommen:

Ein sehr persönlicher Post von einer Person, die ich sehr schätze, in dem sie hinterfragt, wie sie die letzten Jahre gekennzeichnet haben und ob es das wert ist (inklusive hundertmillionen Kommentare in demselben Ton). Ein Posting über Winterblues (vorsorglich, denn mal ehrlich: Roter Lippenstift ist die einzige Lösung für diese grauenhafte Zeit (Achtung Ironie)) Ein Mama-Post über zu wenig Zeit an einem Tag. Ein Foto mit Poster „Nimm dir Zeit“. Noch ein Mama-Post über den vierten Geburtstag des Sohnes, der viel zu schnell kam. Werbung von XING, die mir angeblich helfen soll herauszufinden, in welchem Job ich landen werde. Ein Blogger-Posting über die dunkle Jahreszeit und die notwendige Investition einer Tageslichtlampe für Blogfotos. Mehrere Bilder der jungen Jodie Foster anlässlich ihres Geburtstages. Ein Posting über das Kranksein im Winter und wie man zu gar nichts mehr kommt. Ich glaube das Schema wurde deutlich, ich könnte hier ewig weiter sammeln.

Ja, Leute, wo geht nur unsere Zeit hin?

Und wieso macht es mir nichts aus, meine Zeit zu vertrödeln, indem ich solche Postings lese?

Als eine Bekannte neulich von ihrem Tagesablauf mit zwei kleinen Kindern erzählte und ich so darüber nachdachte, dachte ich sofort: „Das klingt ziemlich traurig!  Das würde ich nie wollen!“. Aber wie kommt man dazu, dass man plötzlich keine Zeit mehr hat? Nimmt sich ja niemand vor. Ich habe den Vorteil, dass ich neben meinem Studium bis auf einen einzigen Tag nur selbstständig arbeite und mir immer mal wieder Schluderei oder Sonnenpausen erlauben kann. Ich kenne auch Menschen, die ihren Job so gerne machen, dass es ihnen nichts ausmacht, fast keine Freizeit zu haben. Die meisten von uns (Hallo Generation Y) haben aber mehr als eine Priorität in ihrem Leben und selbst wenn sich eine besonders wichtige Sache herauskristallisiert, ist das nicht unbedingt der Job und damit die Sache, welche die meiste Zeit im Leben einnimmt.

Mehr vom Moment

Umgang mit Zeit

 

 


Mehr vom Moment

Wann haben wir am meisten von unserer Zeit? Wenn die Zeit am langsamsten vergeht, heißt das ja nicht unbedingt, dass wir die Zeit am meisten genießen. Aber kennt ihr das, nach einem richtig tollen Wochenende, das so schön war, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist, das Gefühl zu haben, dass der letzte mühsame Tag so unendlich weit weg ist? Oder nach einem Urlaub oder einer Reise so weit weg vom Alltag zu sein, dass man sich schon wieder darauf freuen kann? Nach Momenten, Stunden, Tagen, Wochen,…, in denen wir keine Sekunde dafür verschwendet haben, wie unser Leben sein sollte, was wir schaffen sollten, erledigen sollten, was man (mein absolutes Hassliebewort) so Sinnvolles tun sollte, erreichen sollte, ob man auch fleißig ist,… Momente, in denen man nur genießen konnte, sind ja wohl das Nachhaltigste überhaupt. Ich glaube, wenn wir diese kompromisslos sinnlosen und schönen Momente schaffen und genießen können, bleibt auch mehr Luft und Motivation für die Momente, in denen sinnvolle Investments nötig sind, um weiterhin nicht auf diese Momente verzichten zu müssen.

 


Mehr von meinem Tag

Stress ist in unserer Zeit ein Prädiktor von Fleiß. Und Fleiß ist absolut erstrebenswert, denn wer will schon faul sein? Wer keinen Stress hat, ist scheinbar nicht besonders fleißig. Was eine Person dann tatsächlich leistet, schafft oder darstellt, hat aber nichts damit zu tun, ob sie sich viel oder wenig Zeit für die schönen (vermeintlich sinnlosen) Dinge nimmt und noch nicht einmal unbedingt damit, wieviel Zeit sie überhaupt für ein Ergebnis investiert. Es gibt sicherlich Leute, die morgens um 10 schon so viel geschafft haben, dass sie den ganzen restlichen Tag Kaffeepause machen können, andere kommen bis zum Ende einer Aufgabe vor lauter Stress nicht zum Durchatmen und wieder andere schaffen gar nichts und haben trotzdem Stress. Es kommt auf den Inhalt an und auf mich und meine Fähigkeiten/Kompetenzen, die Zeit ist kein sinnvolles Messkriterium.

Und ganz ehrlich; ich spreche mich auch gerne über einen Trump aus, aber wenn ich den dritten Tag in der Uni statt meinen Seminaren den Schock über die Vertrauenskrise der Demokratie (die ich btw auch eher für eine Selbstunterschätzung der Individuen IN einer Demokratie halte und damit für eine Vertrauensexpansion, aber das nur am Rande) diskutieren muss, dann will ich mich als Europäerin doch mal wieder darauf besinnen, dass mein Tag trotzdem nicht im Eimer sein muss, dass eine Amtszeit erstmal nur vier Jahre hat und dass es den Amerikanern nichts nutzt, wenn wir hier in Europa politikbewandert und überengagiert den Kopf in den Sand stecken. Dafür ist mir mein Tag einfach zu schade, dafür muss ich keine Zeit investieren. Die Konsequenzen werde ich nicht beeinflussen, je mehr ich darüber spreche.

Natürlich gibt es Tage, die einfach nicht so laufen. Und auch der ein oder andere Winterblues erstreckt seine Schatten auf instagram bis auf einen frühen Novembertag. Aber auch dann ist nichts verloren. Wir können uns darauf einlassen, akzeptieren, das Beste draus machen oder manchmal vielleicht auch einfach nur das Schlechteste zulassen. Weil nicht immer gleich alles verloren ist. Schon gar nicht, wenn es einen nächsten Tag gibt (Auch das ist ein eiskalter Wintertag? Dann vielleicht doch lieber akzeptieren und drauf freuen?).

 

Umgang mit Zeit

Den Alltag genießen

 


Mehr von meinen Jahren

Eine Freundin entschuldigte sich gerade am Telefon für ihr Jammern, weil Jammern ja nicht sinnvoll ist. Aber geht es im Leben darum, sinnvolle Dinge zu tun? Oder die Lorbeeren für sinnvoll investierte Zeit zu ernten, während man sich fragt, was man all die Zeit an nachhaltig Schönem verpasst hat und vor allem während man vor lauter neuen Zeitinvestitionen in die weitere Zukunft nicht zum Innehalten kommt?

Hab ich schon mal erwähnt, dass ich es hasse, wenn Menschen an sich arbeiten? Oder an ihrer Beziehung? Oder ihrem Zeitmanagement? Ich mag einfach diesen Begriff „Arbeit“ in dem Zusammenhang nicht, weil damit immer etwas Negatives gemeint ist. Es ist anstrengend, aber man muss nun mal an allem möglichen arbeiten. Wieso kann man eigentlich Vorhaben nicht einfach umsetzen, ohne darüber nachzudenken, wie hart es ist und vor allem ohne zu ARBEITEN?

 


Mehr von meinem Leben

Es beginnt doch mal wieder alles im Kleinen, im Moment. Wenn ich mich an mein Onko-Praktikum erinnere oder mich mit meinem Freund nach einem langen Tag im Krankenhaus unterhalte, wird mir das bewusster denn je. Wenn ich mir nicht mal gönne, meine Zeit mit sinnlosem Gossip, Social Media oder Frustablassen zu verbringen, wie soll ich dann die Energie aufbringen, sinnvolle Investitionen in die Zukunft durchzuziehen und auf sinnlose Investitionen zu verzichten? Es gehört sicherlich oft etwas dazu, sich auf das Leben einzulassen und Veränderungen offen gegenüber zu treten, aber wenn man zu Ende gehende Kapitel genossen hat, kann man sich auch nichts vorwerfen und sich z.B. darauf freuen, dass die Kinder nicht mehr so klein sind und dafür auch nicht mehr so viel Hilfe und Aufmerksamkeit benötigen.

Wir sind immer nur einen Schritt davon entfernt, ein komplett anderes Leben zu führen. Wir müssen es nur machen. Oder es bleiben lassen. Dann wenn es geht und wenn wir darauf Lust haben. Und dann muss man Jahre später auch nichts mehr bereuen, weil man sich nicht vorwerfen kann, nicht so gelebt zu haben, wie man in der entsprechenden Situation leben wollte. Ich glaube, nur so kann man Zeit nachhaltig nutzen und auch von vergangenen Zeiten zehren. Klingt alles ganz eeeasy, oder?

 

Wo geht nur unsere Zeit hin?

 

Ich finde, drei Fragen sollten wir uns in Bezug auf unsere Zeit immer einmal wieder stellen:

 

  • In welchen Momenten/Situationen habe ich am meisten von meiner Zeit? Wann kann ich mich und meine Zeit am meisten genießen?
  • Auf welche drei zeitfressenden Dinge in meinem Leben kann ich nicht verzichten (Kinder sind keine Dinge und verzichten kann man auch dann nicht darauf, wenn man wollte )?
  • Welche drei zeitfressenden Dinge machen mir in meinem Leben mehr Stress, als sie mir nutzen?

 

Die Antworten auf diese Fragen sind nicht nur für jeden Menschen andere, sondern haben auch für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Konsequenzen. Was das konkret heißt, wann man sich Zeit für Momente gönnt und wo man doch lieber in die Zukunft investiert, ist für jeden anders. Nur bei einem bin ich mir sicher: Dass man niemals Zeit in die Vergangenheit investieren sollte. Wir können aus der Vergangenheit lernen, sie hat uns geprägt und uns gute und schlechte Erinnerungen mit auf den Weg gegeben. Aber sie ist vorbei und damit ist sie in erster Linie existent. Und auch wenn wir ihr große Bedeutung zuschreiben, sollte unsere Energie doch immer nach vorne gerichtet werden (alle Physiker dürfen mich an dieser Stelle schimpfen. Und alle Tiefenpsychologen.).

 

Wie ich meine Zeit maximal nutze

Wie wir unsere Zeit am meisten genießen

Wie kann ich meine Zeit genießen?

Mit freundlicher Unterstützung von Velux

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

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