Neues Leben für alte Polstermöbel

Wie man ganz einfach Sessel und Co. auffrischt

Kennt jemand noch den Sessel, den ich mal neu bezogen habe? Ich wurde seitdem immer mal wieder gefragt, wie man das am besten macht und ob man es selbst hinbekommt (und habe auch für OTTOs re:BLOG darüber geschrieben), deshalb möchte ich heute anhand von 5 Basic-Tipps erklären, wie man das mit dem Polstern auch selbst (und ohne Profizubehör) zuhause hinbekommt.

 

Polstermöbel aufarbeiten

Zuhause Polstern

 

  1. Trau dich!

Die meisten Projekte scheitern nicht an mangelndem Können, sondern daran, sich dranzutrauen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die ersten Versuche auf einem neuen Gebiet sind vielleicht nicht immer sofort perfekt, aber mit einem planvollen Vorgehen und Spaß an der Sache (dazu gehören manchmal auch Pausen zur rechten Zeit), ist doch fast alles machbar!

 

  1. Das Original wird zum Vorbild

Um die ideale Methode herauszufinden, orientiert man sich am besten am Original. Die meisten Polstermöbel haben eine Fläche aus Polsterwatte, auf die ein Schaumstoff angebracht ist, um die Fläche in Form zu halten. Darüber wurde meist Flieswatte angebracht. In diesem Fall kann man den Stoff ganz einfach abnehmen. Im Idealfall löst man dazu die Gurtnägel oder Klammern aus dem Holz. Wenn das nicht geht, muss man schneiden. Am einfachsten geht das natürlich bei einer Sitzfläche, weil man dann nur die Maße vom Originalstoff abnehmen muss. Fast alle Polstermöbel lassen sich in ihre Einzelteile zerlegen, sodass man dann mehrere dieser einfachen Flächen hat. Wenn diese symmetrisch sind, kann man die Teile, die durch das Abschneiden vom Möbel zerstört werden müssen ganz leicht entsprechend der gegenüberliegenden Seite rekonstruieren. Die Form wird jeweils auf Zeitungspapier gebracht, so erhält man eine Art Schnittmuster. Man kann notfalls auch das Papier mit Stecknadeln auf die Polsterfläche heften und die Umrisse nachzeichnen – das ist allerdings die ungenaueste Methode.

Bei Rückenlehnen oder etwa Armlehnen lässt es sich meist nicht vermeiden, ein paar Nähte mit der Nähmaschine vorzunehmen. Meist empfiehlt es sich, Hussen zu nähen, die man über das Polster stülpen und an der unten liegenden Holzfläche antackern kann.

 

Neue Bezüge anhand des Schnittmusters des alten Bezuges nähen

Sessel einfach neu bepolstern

 

  1. Material
  • Ich empfehle unbedingt ein Schnittmuster aus Zeitungspapier anzufertigen. Außerdem braucht man ein paar weitere Werkzeuge:
  • Ein Cutter ist manchmal unverzichtbar um den Stoff vom Möbel zu lösen.
  • Außerdem strapazierfähigen Stoff. Es lohnt sich leider nicht, auf Polsterstoff zu verzichten, weil man kaum ein anderes Material finden kann, das den Belastungen eines Polstermöbels standhalten kann. Außerdem haben die meisten Stoffe einen Stoffverlauf, der in der Vertikale eine andere Dehnbarkeit als in der Horizontale bedingt. Polsterstoffe lassen sich in alle Richtungen gleich gut ziehen.
  • Um den Stoff gut schneiden zu können, benötigt man eine Stoffschere.
  • Eine Klammerpistole braucht ihr unbedingt. Man bekommt sie relativ günstig im Baumarkt, wichtig ist nur, dass die Klammern groß genug sind, sodass sie tief ins Holz gehen und damit gut halten.
  • Trotzdem empfehle ich Nadel und Faden bereitzuhalten, für alle Stellen, die nicht so gut erreichbar sind mit der Klammerpistole, oder die keinen harten Untergrund haben, in dem die Klammern greifen können. Nehmt unbedingt robustes Garn und eine dicke Stopfnadel.
  • Stecknadeln sind wichtig zum Fixieren.
  • Bei aufwendigeren Möbeln braucht man außerdem eine Nähmaschine und entsprechendes Garn.

 

  1. Alles muss straff

Was ein professionell aussehendes Polster von einem offensichtlich selbst erneuerten unterscheidet ist, das alles sitzt. Im Internet kann man viele neu bezogene Sitzflächen sehen, bei welchen die Ecken eingeschlagen sind. Das ist zwar eine einfache Lösung, ist aber mit einem guten Stoff nicht notwendig, weil er in Form gedehnt werden kann. Dementsprechend sollten die Zuschnitte etwas Nahtzugabe haben und eventuell genähte Teile sollten mehrmals genäht werden um der Spannung standzuhalten und außerdem so gleichmäßig wie möglich verlaufen, da man unter der Spannung schon kleine Ausrutscher oder Unregelmäßigkeiten sehen kann. Wenn ihr das Stoffteil an der richtigen Stelle angebracht habt, kann zuerst eine Seite (bei quadratischen Maßen an der Breitseite) angetackert werden, dann wird der Stoff auf die gegenüberliegende Seite gespannt und dort angetackert. Erst dann kommen die Längsseiten. Generell gilt beim Straffen: Von innen nach außen und von der kürzeren zur längeren Seite.

 

Alte Möbel selbst neu beziehen

Schreibtischstuhl selbst neu beziehen

 

  1. Alles nach Plan

Dieser Punkt ist wohl der wichtigste. Nehmt euch Zeit und plant euer Vorhaben. Ihr braucht zunächst ein Schnittmuster, dann können die Stoffteile zugeschnitten und gegebenenfalls genäht werden. Beachtet dabei unbedingt den Stoffverlauf. Auch wenn das bei Polsterstoffen technisch keinen Unterschied macht, kann es optisch sehr große Unterschiede hervorrufen. Dann könnt ihr das jeweilige Stoffteil mit Stecknadeln fixieren um eine grobe Orientierung zu haben, bevor ihr mit dem Straffen und Tackern beginnt. Wenn ihr die einzelnen Polster wieder zusammenfügt, vermeidet unbedingt Löcher für Schrauben etc., da diese unter der Spannung leicht größer werden. Durch Dehnen kann man stattdessen zwischen den Fasern Öffnungen erreichen. Sind alle Teile wieder zusammengebaut, ist das neue Lieblingsmöbel auch schon fertig!

 

Selbst Polstern

Schreibtischstuhl selbst neu beziehen

DIY: Polster selbst neu beziehen

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

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