Wie ich gerne konsumieren würde…

Nachhaltiger Wocheneinkauf

Vor einiger Zeit erschien ein Artikel von mir auf re:BLOG über Konsum. Obwohl es mir schon immer wichtig war, mein Leben halbwegs nachhaltig für mich, meine Mitmenschen und unsere Umwelt zu gestalten, ist mein Konsumverhalten bedingt durch einen steigenden Lebensstandard und scheinbar zu wenig Zeit schon lange etwas, mit dem ich eigentlich ziemlich unzufrieden war. Obwohl ich in der letzten Woche gleich zwei Mal Kleidung bzw. Schuhe gekauft habe, klappt das 2017 bislang sehr gut mit dem bedachteren Einkaufen bzw. dem Verzichten. Im Laufe unseres Umzuges habe ich mich außerdem von vielem getrennt und fühle mich ein ganzes Stück freier. Es geht um die Menschen im Leben, niemals um Dinge.

Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich das Thema nochmal aufgreifen. Wir alle leben in einer Umgebung, in der Konsum so präsent ist wie wahrscheinlich nie zuvor und ich sage das völlig ohne Wertung. Viele von uns checken schon nach dem Aufstehen diverse Social Media Feeds, die uns nicht nur mit Werbung versorgen, sondern selbst schon Konsumgut darstellen. Wir konsumieren die Leben anderer, Ideale, Mode, Unterhaltung, Einrichtung, intime Momente. Und wir ergänzen damit – bewusst oder unbewusst – eine innere Wunschliste. Das führt dann auch nicht selten dazu, dass wir klassisch konsumieren, also: Geld ausgeben. 2016 wurde mir bewusst, wie wichtig mir der Lebensmitteleinkauf ist. Klar tut es gut, hochwertiges, gesundes, abwechslungsreiches, regionales und verantwortbares Essen auf den Tisch zu bringen. Aber ich bin nicht, was ich esse. Mein Leben wird nicht weniger aufregend, wenn der grüne Salat am Abend einfach nur ein grüner Salat ohne kreatives und noch nicht dagewesenes Topping ist. Damit meine ich nicht, dass ich mir ab heute billiges Fleisch und fertige Mahlzeiten reinziehe, aber die Essenswahl ist keine essentielle Lebensaufgabe für mich. Es ist sicher wichtig, Grundsätze zu haben, aber eine „0815-Mahlzeit“ kann manchmal sinnvoller sein, als Stress um eine „Fancy-Mahlzeit“.
Der dritte große Bereich neben Medien und Food, für den mindestens meine Generation ganz klassisch Geld ausgibt, ist der Konsum von Kleidung, Einrichtung, Kosmetika und was einem noch so einfällt. In dieser Hinsicht hatte ich eine fürchterliche Selbsterkenntnis. Ich merke, wie sehr ich mich von der bescheidenen und sparsamen Studentin entfernt hatte hin zu einem Menschen, der das eine oder andere Problem erst mal mit Konsum lösen möchte. Rückenschmerzen? Mal Matratzen googeln. Ich fühle mich nicht wohl? Der nächste Kleidungskauf wird’s richten. Unkreativ? Bei Faber Castell stöbern. Keine Lust auf Kochen? Man kann ja was essen gehen.

Diese Aufzählung könnte man endlos fortsetzen. Konsum ist auch kein Mittel gegen Frust. Das Schlimme ist, dass das kurzfristig manchmal so verdammt gut funktioniert, aber es löst weder Probleme noch stärkt es mich in irgendeiner Weise zukünftig. All diese Ausgaben summieren sich nicht nur zu einer Menge Geld, sondern ich bin überzeugt davon, dass sie uns unzufrieden, reaktiv, von schlechtem Gewissen geplagt und nicht zuletzt auch zu ziemlich unnachhaltig agierenden Menschen machen. Das muss echt nicht sein.

 

Saisonal einkaufen

Himbeertörtchen

Bei allen Aspekten, die ein nachhaltigeres Leben für mich ausmachen, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass das einfachste und sinnvollste Konzept den bedachten Konsum betrifft. Denn damit beginnt alles. Ich habe deshalb drei Vorsätze gefasst, auf die ich wieder mehr Wert legen möchte.

1. Bewusst verzichten. Ich habe einmal eine Zeit lang auf Kleidungskäufe verzichtet. Das war nicht nur leichter als gedacht, sondern auch inspirierend. Man entdeckt alte Teile oder Kombinationen im Kleiderschrank und überlegt sich Alternativen, bemerkt, was man hat. Was bei mir der Kleiderschrank war, kann für jeden etwas anderes sein. „Konsumsperren“ (auch z.B. für Social Media) für bestimmte Bereiche und Zeiträume sind sicher genauso wohltuend wie ein bewusstes „Das nehme ich jetzt nicht mit“. Widerstehen zu können, macht frei und unabhängig.

2. Selber machen. Man kann so vieles selbst basteln, bauen, nähen oder einfach nur neu arrangieren, dass es nicht nötig ist, viel Neues zu kaufen. Noch mehr am Herzen liegt mir, auch mal was zu reparieren. Das kann natürlich mühsam sein, zahlt sich am Ende aber in vielerlei Hinsicht aus und macht das Leben individueller als Trends, die jeder zweite Wohn-Instafeed aus dem Wohnzimmer zeigt.

3. Nochmal nachdenken. Das passende Argument für einen Kauf findet man immer, im Zweifelsfall gönnt man sich halt mal was. Brauche ich das wirklich? Ist es wirklich das richtige? Gehört es zu den Dingen, die gemacht wurden, um nach kurzer Zeit kaputt zu gehen? Was sind die Alternativen? Vernunft ist vielleicht nicht so sexy wie die Emotionen, mit denen Brands arbeiten, sein Hirn zu benutzen aber sehr wohl.

 

Ich spreche nicht davon, zum Geizhals zu werden. Man darf sich und anderen ja auch mal was gönnen und ein Essen mit Freunden ist sicher nicht die Art von Konsum, von der ich spreche.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass Konsum niemals wirklich beeindrucken kann und dass er weder als angemessene Belohnung, noch als langfristige Beschäftigung oder Problemlösung taugt. Wir und unsere Welt sollten uns ja wohl mehr wert sein. Weniger Konsum macht mehr Spaß. Ich glaube, dass diese Aufgabe essentiell ist, um zu sich selbst zu kommen, weniger Stress und mehr Selbstgefühl zu haben und am Ende auch im Reinen zu sein mit seinem Handeln und Verhalten.

 

Rosenkohl und Rote Beete

Kochen im Winter mit Austernpilzen

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

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