Warum auf Amrum Bäume pflanzen?

Wunderschöne Nordsee Natur

 

Letztes Wochenende saß ich mit Christiane im Zug, auf dem Weg von Hamburg nach Amrum, um dort mit Bergwaldprojekt Bäume zu pflanzen – im Grunde ahnungslos. Warum braucht Amrum noch mehr Bäume? Die letzten zwei Monate habe ich unfassbar viele Stunden in Flugzeugen, Autos, Zügen und Bussen verbracht und wenn ich ehrlich bin, erwartete ich auch ein anstrengendes Wochenende. Nach drei Tagen auf der Insel, im Wald (und ich meine den Wald, in dem man nicht im Hintergrund die Autobahn rauschen hört und am Ende des Waldes Industriepark oder Gewerbegebiet vorfindet) und am Meer, mit wirklich tollen Menschen, inspirierenden Gesprächen und so viel interessantem Input, dass ich am liebsten mitgeschrieben hätte, war ich nicht nur so ruhig und entspannt, wie lange nicht mehr, sondern ich wusste auch, warum Amrum und der Rest der Welt mehr Buchen und Ahorn brauchen.

Und irgendwie ging es uns wohl allen so…

 

Wald auf Amrum

Wälder schützen unser Klima

Im Wald an der Nordsee

Im Wald auf Amrum

re:BLOG goes Amrum

Bergwaldprojekt auf Amrum

 

Bergwaldprojekt ist ein Verein, der nicht nur in seiner Heimat um Würzburg Bäume pflanzt, sondern auch so ziemlich überall sonst in Deutschland. Die Wälder leiden schließlich nicht nur in Bayern unter dem Klimawandel. Durch die steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen werden sie empfindlicher für Wetter, Trockenheit und Schädlinge und die häufiger werdenden Stürme und Unwetter tun ihr Übriges, um den Wald zu dezimieren. Jedes Kind lernt in der Schule, dass Holz nicht nur Rohstoff ist und der Wald neben der Funktion als Erholungs- und Lebensraum auch klimaregulatorische Funktionen hat und trotzdem scheinen wir das über die Jahre zu vergessen. Als Konsequenz fallen auch der Schutz vor Erosionen, Lawinen und Hochwasser weg, außerdem spendet der Wald Trinkwasser – was besonders auf Amrum ein ganz wichtiges Anliegen ist!

Wald ist nicht gleich Wald – und das liegt nicht nur daran, ob er neben Industrie oder Straßen steht. Monokulturen sind weniger widerstandsfähig, bieten weniger biologische Vielfalt und gerade auf Amrum sind die Laubbäume auch deshalb so wichtig, weil sie mehr sauberes Wasser in den Wurzeln speichern. Nicht jede Pflanzenart lässt sich an jedem Standort etablieren und kann den heimischen Wäldern schaden. Es geht um einen nachhaltig ausgeglichenen Wald mit verschiedenen und unterschiedlich alten Bäumen, Lichtungen und gesundem Waldboden, der biologische Vielfalt ermöglicht.  Als Städter erleben wir dieses Ökosystem leider viel zu selten, aber nach diesem Wochenende weiß ich: Einen gesunden Wald kann man spüren. Und das nachhaltig .

OTTO kooperiert schon länger mit Bergwaldprojekt und hat uns, also die Autoren von re:BLOG eingeladen, den Verein auf Amrum zu erleben. Die Aktion „Ein Kauf. Ein Baum. Ein Wald.“ ermöglicht, dass je verkauftem und FSC-zertifizierten Möbelstück ein Baum auf Amrum gepflanzt wird. Man kann die großen Konzerne verurteilen, weil sie Konzerne sind – oder man teilt den Ansatz des Vereins, gerade über diese Konzerne und mit FSC-zertifizierten Holzprodukten Konsumenten zu erreichen und damit einen ersten Schritt zu einem gemäßigten aber vielleicht momentan realistischeren und durchsetzbareren Umweltbewusstsein zu setzen.

 

Heide auf der Nordseeinsel Amrum

Strandkörbe auf Amrum

Bäume pflanzen auf Amrum

 

Was können wir tun?

Das Schöne an diesem Projekt ist, dass dir niemand sagt „Ernähre dich nur noch so, lebe nur noch so und konsumiere nur noch das“. Die Jungs von Bergwaldprojekt nehmen einen mit in den Wald und lassen einen selbst erleben, was einen gesunden Wald ausmacht. Wenn ihr also Lust dazu habt, eine Woche die Ärmel hochzukrempeln, Natur und den eigenen Körper zu spüren, dann ist sicher das Beste, was man tun kann, an einer der Aktionen von Bergwaldprojekt teilzunehmen. „Wir sind ein Positivprojekt“, sagen die Förster des Vereins. Sie wollen nicht kritisieren, sondern motivieren.

Für mich persönlich geht es vor allem darum, sich einige der Dinge, die man ja eigentlich weiß, immer und immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das heißt nicht, dass wir ab heute alles nur noch richtig machen müssen, aber es ist einfach so unheimlich wichtig, dass wir alle im Kleinen und bei uns selbst anfangen: Die Natur schätzen und schützen, bewusst konsumieren und auf manches vielleicht doch lieber verzichten, ein bisschen regional und saisonbewusst denken, Abfall und Energieverschwendung vermeiden und uns überlegen, wo wir unser Geld hingeben und wen beziehungsweise was wir damit unterstützen. An manche Dinge haben wir uns so sehr gewöhnt, dass wir sie immer weniger hinterfragen. Ich will hier bewusst keine konkreten Tipps geben, weil ich sicher bin, dass ihr alle selbst in der Lage seid zu denken und euch zu informieren. Das letzte, was dieses Projekt möchte, ist zu belehren, ganz im Gegenteil: Dieses Wochenende auf Amrum ließ mich entspannt und inspiriert nach Hause fahren.

 

In den Nordsee Dünen

Raue Nordseeluft und Heide

Mit der Drohne im Wald

 

Dieser Artikel entstand durch die freundliche Unterstützung von OTTO.

livera

Vera startete 2012 den Blog Livera. Sie ist Psychologin, statt aber die Seelen anderer Menschen auszulesen, ist sie unterwegs, schreibt, bastelt, läuft, näht, kombiniert, kocht und entdeckt sie. Ganz ohne Psychoanalyse, allerdings vielleicht doch mit etwas mehr "Wie fühlt sich das an?".

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