Unsere Geburtsstory & wie das so ist mit den Wehen

 

Positive Geburtserfahrung Bericht

 

„Trag es hinaus in die Welt“, hat mir unsere Hebamme aus dem Vorbereitungskurs gestern Abend geschrieben. Ich hatte eigentlich niemals vor, etwas so Intimes wie meine Geburtserfahrung auf den Blog zu bringen. Allerdings ist es mir irgendwie ein Anliegen, zu teilen, dass Angst vor der Geburt total unnötig ist und ich möchte ein bisschen etwas von unserer Geburt teilen, um Mut zu machen. In einer Schwangerschaft läuft nie alles nach Plan, aber eine positive Geburt ist fast immer möglich, da muss man weder hart im Nehmen sein, noch muss man sich nachher etwas schön reden („Danach hast du alles vergessen“).

Während der Schwangerschaft wurde ich ganz oft gefragt, ob ich Angst vor der Geburt hätte. An alle, die noch nicht ans Kinderkriegen denken: Es gibt viele Schwangere, die empfindlich auf diese Frage reagieren. Ich fand sie immer legitim. Ich habe meistens geantwortet, dass ich bisher noch keine Angst habe, ich wusste aber nicht genau, ob ich wirklich keine Angst habe oder nur richtig gut verdränge. Ich glaube, mir haben mehr Menschen alles Gute für die Geburt gewünscht, als für das Kind oder die Zeit mit Baby oder irgendetwas sonst. Und tatsächlich haben wir uns mehr auf die Geburt vorbereitet als auf die Zeit mit Kind (ist auch ok, das meiste funktioniert sowieso intuitiv). Wir haben einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, ich habe einen dreistündigen HypnoBirthing-Kurs besucht, das Buch dazu gelesen und mir die wichtigsten Dinge daraus auf Karteikarten geschrieben für die tatsächliche Geburtssituation, in der man dann durch den Wind ist und alles vergisst (benutzt habe ich diese Kärtchen natürlich nicht, aber ich teile sie mal hier zum Download, falls ihr Interesse habt für eure Vorbereitung  ;-) ). Btw allen werdenden Erstmamas würde ich einen Hebammenkurs und ein bisschen Info über HypnoBirthing empfehlen – ohne das zu dogmatisch zu machen. Wirklich genutzt habe ich aus den beiden nur die Atmung und ein sicheres Gefühl. Ich glaube wichtig ist, dass man sich ein bisschen mit sich selbst auseinandersetzt und damit, was einem für die Geburt wichtig ist – und gleichzeitig offen ist für jede Wendung, die passieren kann. Einer meiner Vorsätze war, so spät wie möglich ins Krankenhaus zu fahren und der Hebamme dort zu vertrauen. Ob beides klappt, wusste ich ja vorher nicht.

 

Geburt unserer Tochter

Geburtsbericht Havelhöhe

Livera Geburtsvorbereitung

 

Ich habe übrigens 39+0 entbunden, also exakt eine Woche vor Termin.
Ich konnte mir eine Wassergeburt vorstellen, wollte mich aber nicht versteifen. Ich wollte einfach offen bleiben für die Situation und die Empfehlung der Hebammen.

Schon einige Wochen vor der Geburt war das Köpfchen unserer Tochter fest im Becken und unser Gynäkologe meinte, es kann und dürfe nun losgehen. Drei Tage vor der Geburt hatte ich vor allem nachts schon stärkere Vorwehen, davon wusste ich allerdings nichts, weil ich es noch nicht als solche eingeordnet habe. Zwei Tage vorher löste sich der Schleimpfropf langsam aber deutlich ab und eine Nacht vorher hatte ich starke Wehen, die tagsüber dann komplett weg waren. Deshalb haben wir zwar die wichtigsten Dinge fürs Krankenhaus eingepackt, ich habe aber abends noch die Schwangerschaftsversion meines tägliche Work-Outs gemacht und wir waren abends noch draußen. Ich hatte an den Beinen Stellen mit Taubheitsgefühl und wegen des Schleimpfropfs und den Wehen das Gefühl, dass es bald losgehen könnte. Tatsächlich hatte ich noch einen Ingwertee, weil einem der Jungs eingefallen war, dass Minze in der Schwangerschaft ungünstig ist und es sonst nichts Non-Alkoholisches auf der Karte gab . Laut Googlerecherche kann das Wehen hervorrufen, ich ordne es aber nach wie vor nicht so wirklich ernst ein. Unpraktischerweise hatte ich an dem Abend keinen Hunger und auch zu Mittag hatte ich nur ein bisschen Salat gegessen. Hätte ich gewusst, dass ich kurz vor der Geburt stand, hätte ich vielleicht mal was Energiereiches gegessen .

Gegen 1 Uhr nachts wurden die Wehen so unerträglich, dass ich nicht mehr im Bett bleiben konnte. Vor allem fand ich belastend, dass ich keine Wehenpausen hatte. Noch am Tag vorher hatte unsere Hebamme uns darauf hingewiesen, die Pausen zur Entspannung zu nutzen,. Allerdings hatte ich keine Pausen… Schon in der Schwangerschaft habe ich das Zählen bei der Atmung geübt. Ich glaube einfach, dass mein Körper das von Kraftübungen schon „kann“ und außerdem hielt ich meinen langen Atem durch viel Sport für meine Stärke (Vielleicht kennt ihr die Übung mit den ausgestreckten Armen? Finde ich super zur Vorbereitung!). Ich habe immer 8x Zählen beim Einatmen und 20x Zählen beim Ausatmen geübt und angewendet. Das hat super geholfen, mein Mann hat mit mir irgendwann 4x bei Ein und 8x bei Aus begonnen und mir irgendwann angeboten, ein „a/o“ beim Ausatmen zu sprechen. Das ist eine klassische Atmung, die wir im Kurs gelernt haben, wichtig ist aber vor allem länger aus- als einzuatmen. Diese Atmung habe ich mir bis zur Austreibungsphase beibehalten und die Kombination mit dem „a/o“ fand ich super hilfreich. Danke Claus!

Ich hatte glücklicherweise einen Platz zur Entbindung in der Klinik Havelhöhe und irgendwann dort angerufen. Die Hebamme war sehr lieb, meinte, dass das mit den mangelnden Wehenpausen manchmal vorkomme und dass ich einmal in die Badewanne und dann wieder anrufen sollte. Also in die Badewanne… Ich fand es angenehm, aber an den Wehen veränderte das nichts und auch Pausen bekam ich keine dazu. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass das „Wehensturm“ genannt wird. Die Unterstützung von meinem Mann war dabei wahnsinnig hilfreich und ich konnte auf dem Sofa einige Zeit gut aushalten. Weil die Wärme so gut getan hatte, brachte er mir eine Wärmflasche für den Unterbauch. Er zählte Wehenabstände mit einer App und kam auf ca. eine bis zwei Minuten im Durchschnitt. Ich hatte aber das Gefühl, dass es total unverlässlich sein musste, weil ich ja nicht genau sagen konnte, wann eine Wehe begonnen oder geendet hat. Ich rief also nochmal in der Klinik an und uns wurde ganz ruhig gesagt, wir sollten uns doch dann auf den Weg machen.

Immerhin war ich noch klar genug, ein paar Dinge einzupacken und meinen Mann zu bitten, eine Ikea-Tüte mitzunehmen, weil dem von einem Freund geliehenen Auto mit beigen Sitzen sicher kein Blasensprung gutgetan hätte. Im Gegensatz zu mir wusste er glücklicherweise, wo wir eine hatten. Ich konnte auch noch gegen die lange Hose protestieren, die er mir andrehen wollte und die schon seit Wochen nicht mehr passte . Trotzdem versuchte ich drei Sekunden, sie mit seiner Hilfe anzuziehen, weil ich irgendwie den Gedanken so schön fand, dass er sie mir ausgesucht hatte… Überhaupt war ich die ganze Geburt über sehr klar und konzentriert. Oft hört man ja, dass Frauen die Details vergessen, ich habe dagegen das Gefühl mich noch sehr genau erinnern zu können. Auf dem Weg von der Wohnung zum Auto hoffte ich so sehr, keinen unserer Nachbarn zu treffen – Was natürlich um die Zeit an einem Donnerstag Morgen sowieso unwahrscheinlich war…

Während  der Autofahrt, die etwa 45 Minuten dauerte, wurden die Wehen sehr deutlich stärker, ich konnte sie aber gut veratmen. Mein Mann legte mir immer wieder die Hand auf den Bauch, um die Atmung zu unterstützen. Manche scheinen das in dem Moment  zu hassen, mir gefiel die körperliche Nähe. Mir tat die Fortbewegung im Auto gut und ich fand die Position angenehm. Mein Mann meinte, ich hätte mich im Laufe der Fahrt immer fester gekrallt. Ich habe die Fahrt als sehr ruhig in Erinnerung, habe aber vehement widersprochen, wenn mein Mann meinte, er habe das Gefühl, dass ich schon sehr weit sei. Ich dachte einfach, bestimmt schicken die uns nochmal auf einen Spaziergang. Das Gefühl zu einer Geburt zu fahren und zu wissen, dass man bald sein Kind in den Armen halten wird und nie wieder alles beim Alten sein wird, ist aufregend und ich glaube, dass mich diese Stimmung auf der Fahrt bei Laune gehalten hat.

An der Klinik bekamen wir keinen Parkplatz und ich ahnte, woran das lag. Ich wollte allerdings auf keinen Fall alleine gehen und so standen wir eben erstmal im Halteverbot (da haben wir übrigens sowieso eine Stärke, der Polizeipräsident schreibt den nächsten Strafbrief wahrscheinlich persönlich). Ich kann mich erinnern, dass ich nicht mehr aufrecht gehen konnte und wir noch an anderen rauchenden Patienten vorbei mussten. Wir wurden um kurz nach 4 Uhr ruhig und lieb in Empfang genommen und ich erklärte, dass die Wehen stärker wurden, während mein Mann meinte, die Abstände wären dagegen eher wieder länger geworden. Ich teilte die Wahrnehmung nicht. Wir wurden in einen Raum mit Bett geführt und dort erstmal alleine gelassen. Ich war zunächst auf Toilette und wünschte mir die ganze Zeit einen Einlauf, weil ich das Gefühl hatte, Stuhldrang zu haben. In diesem Raum, in dem es weder ein Geburtsbett noch eine Wanne oder andere Vorrichtungen aus dem Kreißsaal gab, geriet ich kurz der Verzweiflung nahe. Ich probierte jede Position und konnte die Wehen in keiner ertragen. Kurz bereute ich die Entscheidung, schon gefahren zu sein, weil ich zuhause eine angenehme Position und ein bequemes Sofa hatte und legte mich seitlich auf das Bett. Da sprang die Fruchtblase und in Sekunden war alles nass. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe „Meine Fruchtblase ist geplatzt“, was wirklich obvious war . Das war genau 10 Minuten, nachdem wir im Krankenhaus angekommen waren.

Mein Mann holte kurz eine Hebamme, sie war aber nach wenigen Minuten wieder weg und ich nur noch in BH und Top und mit CTG auf der Suche nach einer Position. Man hörte lautes Stöhnen aus dem Nebenraum und ich bat meinen Mann, wenigstens das Fenster zu schließen. Ich hatte Angst davor, dass es mir Angst machen könnte, den Schmerz von jemand anderem hören zu müssen. Ich wusste kurz darauf: „Ich brauche jetzt eine Hebamme“ und habe das genau so zu meinem Mann gesagt. Er musste erst jemanden finden und eine Hebamme aus einer anderen Geburt holen (ihr könnt euch vorstellen, wie sicher er seiner Sache war – an einer Kreißsaaltüre, in dem eine fremde Frau lautstark gebärt, klopft man sicher nicht ohne weiteres). Die Hebamme kam und wollte meinen Muttermund tasten, ich war aber unter den starken Wehen kaum in der Lage mich auf den Rücken zu legen und die Beine zu öffnen. So vergingen einige Minuten, in denen ich mich entschuldigte, dass ich einfach nicht konnte. Die Hebamme war unheimlich lieb, ruhig und geduldig und hat mir die gesamte Geburt über das Gefühl gegeben, dass alles, was ich tun würde ok sei. Die ganze Geburt über saß sie oft auf den Knien und beobachtete uns. Sie lies uns so machen, wie es uns richtig erschien und hatte nur hin und wieder einen Tipp. Trotzdem wusste ich, dass da andere Patientinnen waren und es tat mir in dem Moment so leid, dass ich sie aufhielt.

Irgendwann schafften wir auch das Tasten und die Hebamme meinte, sie würde jetzt die aktuelle Wehe abwarten und uns dann erklären was los sei. Kurz darauf sagte sie, dass mein Muttermund schon auf 8-10 cm geöffnet sei. Für mich bedeutete die Info in dem Moment nur, dass ich einen großen Teil hinter mir hatte, mir war aber nicht bewusst, dass ich damit schon  fast in die Austreibungsphase startete, weil ich einfach immer noch mit allem rechnete. Jede Empfehlung der Hebamme versuchte ich umzusetzen, egal ob ich es für gut oder überhaupt möglich hielt. Ich versuchte es einfach. Als sie mir anbot, mein Bein gegen ihre Schulter zu stemmen, hielt ich das für relativ bescheuert, weil ich dachte, es wäre keine stabile Position. Tatsächlich war das eine Schlüsselposition während unserer Geburt, genau wie der Vierfüßlerstand. Jede ihrer Empfehlungen stellte sich als genau richtig heraus! Ich fragte nach einem Einlauf, die Hebamme meinte aber, dass das die Wehen unkontrolliert verstärken konnte und zu einem geplanten „kleineren Einlauf“ kam es nicht mehr.

Ich hörte, wie mein Mann fragte, ob es nicht an der Zeit wäre, in einen Kreißsaal zu gehen und die Hebamme ganz ruhig sagte, dass das leider nicht möglich sei, weil alle Kreißsäle belegt wären. Während mein Mann sich glaube ich darüber sorgte (nachdem er das hier gelesen hat, sagte er mir, dass er sich vielmehr geärgert hatte – darüber, dass es nichts, noch nicht mal Kissen gab und dass er sich in dieser Situation, in diesem Raum, im Stich gelassen fühlte) , war es für mich ok. Ich wusste einfach, dass es mit dieser Hebamme auch in diesem kleinen Raum gehen würde und dass der Ort keine Rolle spielte. Ich muss aber zugeben, dass ich gerne mehr Halt gehabt hätte. Zumindest eine Kopflehne, auf die ich mich stützen konnte, hätte mir in der Austreibungsphase gut getan.

Zwei Mal sagte ich zu meinem Mann, ich hätte Angst. Was ich meinte war aber, dass ich Angst davor hatte, Angst zu bekommen oder in Panik zu verfallen. Mein Mann und die Hebamme haben ruhig reagiert, mir bestätigt, dass es nicht notwendig sei, dass alles super laufe und ich schon sehr weit sei. Würde ich jedes Mal wieder machen: Alle Sorgen direkt teilen. Überhaupt sagte mein Mann mir sehr oft, wie weit ich schon sei. Im Nachhinein erzählte er mir, dass ihm das CTG zwischendurch Schrecken eingejagt hatte und ich erinnere mich, dass er auch die Hebamme dazu fragte. Freunden gab er danach den Tipp, sich durch das CTG keine Angst machen zu lassen, CTG und Herztöne würden manchmal abfallen, ohne dass dies gleich etwas Schlimmes bedeutet). IMein Take: „Kein Mensch außer dir guckt während der Geburt aufs CTG“ – Aber vielleicht ist das bei euch ja anders und es ist für euch ein wichtiger Hinweis . Irgendwann verlies die Hebamme nochmal den Raum und bevor sie ging, fragte ich sie quasi präventiv, ob man etwas gegen die Schmerzen machen könnte. Ich habe absolut nichts gegen Schmerzmittel und hätte jede Empfehlung angenommen. Die Hebamme überlegte allerdings und mein Mann ermunterte mich „Komm, wir schaffen das ohne. Du wolltest keine Schmerzmittel und du bist so weit, wir schaffen das so“. Im Geburtsvorbereitungskurs hatte man uns erzählt, dass dieser Punkt bei jeder Frau käme. In Havelhöhe wäre in dieser Phase nur eine PDA möglich gewesen, was ich erstens eigentlich nicht wollte und zweitens zu diesem Zeitpunkt schwer möglich war und  die Geburt verzögert hätte. Was ich brauchte, war im Grunde nur Zuspruch. Ich finde trotzdem weiterhin, dass man hier alles probieren kann, was die Fachleute in dem Moment empfehlen. Von anderen Frauen habe ich aber gehört, dass es wenig nutzt. Ich glaube in der Intensität spielt es kaum eine Rolle, ob der Schmerz ein bisschen stärker oder schwächer ist – man muss vielmehr so oder so damit umgehen.

Tatsächlich hat mein Mann die Phase richtig erkannt: Ich erinnerte mich, dass man der Hebamme sagen sollte, wenn man Pressdrang verspürt. Das tat ich also und mir wurde gesagt, dass ich pressen dürfe. Von da an, war alles leichter. Statt „a/o“ fing ich an, beim Ausatmen zu schreien. Falsch. Zu brüllen. Ich hätte das selbst nicht von mir gedacht und es waren auf keinen Fall Schmerzschreie sondern Kraftschreie. Ich presste einfach mit allen Kräften, die ich aufbringen konnte. Schmerzen nahm ich in der Phase nicht wahr. Das tat unheimlich gut und das Beste: Ich hatte plötzlich Wehenpausen. Übrigens habe ich trotzdem keinen Stuhl verloren und der Stuhldrang war dennoch verschwunden. Uns wurde im Vorbereitungskurs gesagt, dass das normal sei und es wäre mir auch komplett egal gewesen – so wie mir alles in dem Moment egal war und das verdanke ich auch der tollen Hebamme, die mir das Gefühl gab, alles zu „dürfen“.

Die Stimmung war in den Wehenpausen gut, es wurde gescherzt und für mich war es einfach eine wahnsinnige Erleichterung, kurz Kraft tanken zu können, mich zu sammeln und vorzubereiten. Ich wartete regelrecht auf die nächste Wehe um „weiterarbeiten“ zu können. Ich war im Vierfüßlerstand, später auf einen Ball gestützt. Ursprünglich, weil dieses blöde Bett kein Kopfende hatte, auf das ich mich hätte stützen können – aber die Idee der Hebamme mit dem Gymnastikball (den ich erst für viiiiiiel zu wackelig hielt) war ok dafür. Die Hebamme wies mich irgendwann darauf hin, dass der Kopf schon spürbar war. „Zwei Schritte vorwärts, einer zurück“ wiederholte sie immer wieder: In der Wehe presste ich den Kopf weiter, die Hälfte davon rutschte er danach wieder zurück ins Becken. Für mich waren das fantastische Neuigkeiten, denn ich wusste in dem Moment: Je weiter ich den Kopf rauskriege, desto mehr davon bleibt auch bis zur nächsten Wehe. Bis zum Schluss empfand ich die Wehen nicht als schmerzhaft, allerdings tat mir mein Rücken sehr von der Anstrengung weh und die Hebamme und mein Mann massierten das Steißbein und gaben mir Gegendruck während den Wehen – Auch dieser Gegendruck war übrigens unfassbar erleichternd. 

Sie bot mir an, das Köpfchen mit der Hand zu fühlen, um zu sehen wohin ich das Kind presste. Ich fand den Gedanken vorher schon spannend und ich bin unfassbar dankbar, dass ich das getan habe. Mein Mann meinte, dass man förmlich sah, wie mein Pressen ab diesem Moment zielgerichteter und effizienter war, nachdem ich den Kopf quasi in meine Hand presste. Mir ist bewusst, dass diese Sache ziemlich krass klingt für jemanden, der noch keine Geburt erlebt hat. Aber dieses Erlebnis war unglaublich! Ziemlich aufregend, in dem Wissen, dass es die letzte Phase ist und dass ich etwas eigenständig Lebendiges in meinen Händen hielt. Wenn ich heute den Kopf meiner Tochter sehe mit dem blauen Fleck an der Austrittstelle und den zarten Haaren, dann denke ich manchmal an diesen unfassbaren Moment, in dem ich ihren Kopf spüren konnte. Ich empfand keinerlei Schmerz bei den Wehen, es war einfach Leistungssport für mich. Und für jede Wehe war ich dankbar. Mein Mann sollte mir Traubenzucker geben, ich konnte aber nur ein ganz kleines Stück runterwürgen. Habe ich erwähnt, dass ich kein Abendessen hatte?

Mein Mann fragte mich irgendwann, ob er kurz zum Auto gehen könne, um die Kamera zu holen. Ich weiß noch, dass ich gerne Fotos gehabt hätte, ich wusste aber, dass ich ihn nicht gehen lassen wollte und auch die Hebamme war sehr bestimmt darin, dass es zu spät dafür sei. Sie bereitete warme Tücher vor, um dem Damm Gegendruck zu geben und es kamen eine Hebammenassistenz und ich meine später noch eine Ärztin dazu. Einmal sollte ich Hecheln, um nicht zu Pressen, ansonsten ging ich total nach meinem Gefühl. Unsere Hebamme half mir, den BH abzulegen, damit die Kleine sofort an die Brust konnte.

Ich weiß nicht mehr, wie das kam, aber irgendwie wechselte ich zum Schluss doch wieder auf eine Rückenposition und stemmte die Beine gegen die Schulter von Hebamme und meinem Mann. Wahrscheinlich war es aus Erschöpfung. Die Hebamme erklärte nochmal, dass ich als nächstes den Kopf und dann den Körper herauspressen musste und dass das nicht von alleine passieren würde, sondern dass ich kräftig pressen müsse. Im Angesicht dieser Aussicht sagte ich kurz laut etwas wie „Oh Gott“. Es war nicht schlimm, es war einfach nur eine Erkenntnis. Ich wusste: Das wird scheiße wehtun, aber du musst jetzt aktiv diese Sache machen, bei der ganz realistisch gesehen alles reißen und furchtbar wehtun kann.

 

Traumgeburt in 2,5 Stunden

 

Eine Wehe später war der Kopf geboren. Ich erinnere mich an meine Worte „Habe ich den Kopf geboren?“ und alle Umstehenden nickten und bejahten freudig. Nur eine Wehe später (für meinen Mann schien die Wehenpause, in der das Köpfchen immer blauer wurde, endlos) war um 06:48 nach ziemlich genau 2,5 Stunden unser Mädchen auf der Welt. Man bezeichnet den Schmerz in dieser allerletzten Phase als „Feuerkranz“ und tatsächlich fühlte es sich kurz genau so an, es ist aber kein unerträglicher Schmerz und außerdem von kurzer Dauer. Sie lag da und ich sagte nach wenigen Sekunden zu meinem Mann „Kannst du sie mir bitte geben?“. Er legte sie mir auf die Brust und was danach kam ist einfach nur ein Rausch an Glücksgefühlen, in denen wir für wenige Stunden in Blut und Liebe badeten.

Ich hatte keinen Dammriss, es gab aber ein paar Schürfungen und kleinere Verletzungen, die genäht wurden. Es stimmt, dass man das in dem Moment nicht spürt,  was ich aber dazu sagen will, ist dass das nicht daran liegt, dass der Geburtsschmerz alles übertönt. Es tut tatsächlich einfach nicht weh, ob das nun an Hormonen oder mangelnder Durchblutung liegt. Natürlich hatten wir in einigen Variablen Glück. Wir hatten ein gesundes Kind und eine gesunde Schwangerschaft (drei Wochen vorher war ich noch Tanzen, ich konnte bis zuletzt Sport machen und war im 9. Monat sogar noch Joggen). Trotzdem hatten auch wir kleine Komplikationen, meine Plazenta hat mich noch ein bisschen Kraft gekostet, es mussten kleine Verletzungen genäht werden und ich hatte eine Uterusatonie, weshalb ich sehr viel Blut verloren habe und mich danach stark schonen sollte. Kann man natürlich drauf verzichten. Durch die überlastete Station waren wir bis zum frühen Nachmittag in diesem Raum (ein Wehenvorzimmer?), das Frühstück und anschließend Mittagessen wurde vergessen, ehe wir dann alles auf einmal bekamen. Ich habe etwas Brot und veganen Aufstrich gegessen und noch nie in meinem ganzen Leben so viel Geschmack wahrgenommen!

Wir hatten das große Glück ambulant entbinden zu können. Deshalb, weil wir eine tolle Hebamme fürs Wochenbett haben und ich eine fantastische Mama vor Ort, die uns täglich versorgt und uns trotzdem die Ruhe gegeben hat, die man als frisch gebackene Familie braucht. Die Bedingung des Krankenhauses war, dass ich selbst duschen konnte und die Kleine einmal gestillt wurde. Ich habe eiskalt geduscht, weil ich so Angst hatte, mein Kreislauf würde schlapp machen, aber mein Blutdruck, der normalerweise schon physiologisch sehr niedrig ist, war super und wir durften gehen. Für uns war es die beste Entscheidung, weil wir in einer Ruhe als Familie ankommen konnten, wie das im besten Krankenhaus der Welt nicht möglich gewesen wäre! Einigen Freunden habe ich ein Foto der Kleinen geschickt, als sie schon im Autositz lag. Das Feedback war meistens die totale Überraschung, weil wir ja am Abend zuvor noch gefühlt weit weg davon waren, Eltern zu sein. Wir bekamen noch am selben Nachmittag Besuch und meine Mutter brachte uns in den ersten Tagen oft fertig gekochtes Essen. Ein paar Tage später kam ein Brief von unseren Hebammen, der sehr persönlich unser Geburtserlebnis schilderte. Wahrscheinlich der schönste Brief, den man kriegen kann – ich musste nicht weinen, als Mina zur Welt kam, aber beim Lesen kamen mir die Tränen.

Ich wünsche allen, die das hier lesen und denen eine Geburt bevorsteht, Gelassenheit und Vorfreude und ein glückliches Geburtserlebnis! Glücklicherweise kommen die meisten Kinder gesund zur Welt und es gibt keinen Grund, Angst vor der Geburt zu haben. Im Gegenteil, es ist eine Erfahrung, geprägt von Glück, Stärke und innerer Ruhe und leitet ein Kapitel ein, das besonders und wunderschön ist!

 

Geburtsstory Havelhöhe

Unsere Geburt

 

WWie fühlen sich Wehen an?

Bei „Wehen“ denkt man meistens an die Geburtswehen (oder „Wellen“ – finde ich noch schöner, habe ich mir aber ehrlicherweise auch nicht angewöhnen können). Und natürlich laufen alle Arten von Wehen am Ende auch auf die Geburt hinaus. Trotzdem hat man schon relativ früh in der Schwangerschaft Wehen, die gar nicht unbedingt beängstigend sein müssen, sondern zum Teil physiologisch und damit eigentlich eher erfreulich sein können. Als mich mein Frauenarzt zum ersten Mal gefragt hat, ob ich schon Übungswehen hätte, hatte ich keine Ahnung, dass man das haben könnte und tatsächlich nimmt man die ersten Wehen vielleicht gar nicht als solche war. Ich hatte während der Schwangerschaft immer das Bedürfnis, diese Wehen einzuordnen, tatsächlich gelingt das aber erst über die Zeit oder im Nachhinein. Was mir geholfen hat, war eine medizinische Einordnung und nachdem ich gerade von instagram weiß, dass mir viele werdende Mamas folgen, dachte ich, ich teile meine Erfahrung vor diesem Hintergrund einmal. Vielleicht hilft es euch ja, das Ganze ein bisschen für euch zu sortieren.

Wehen sind grundsätzlich Kontraktionen der glatten Muskulatur der Gebärmutter, die durch hormonelle Einflüsse (wie Oxytozin) ausgelöst werden. Da man mit Schwangeren schwer experimentieren kann, sind tatsächlich noch einige Details wissenschaftlich ungeklärt.

 

Wie fühlen sich Wehen an?

Quellen: Amboss, Thieme, DocCheck

 

Livera Geburtsbericht

Ich finde das Wort Intensität in dem Zusammenhang ganz toll.

Die Übungswehen konnte man auf meinen CTGs immer deutlich sehen, ich habe sie aber nie wahrgenommen. Senkwehen habe ich eher als Stechen am Muttermund wahrgenommen. Schmerz ist einfach etwas unfassbar Relatives und diejenigen, die eine positive Geburtserfahrung (auch währenddessen und nicht nur im Nachhinein) hatten, sprechen sehr oft von Anstrengung und nicht Schmerz. Tatsächlich fand ich schon die Vorwehen einfach super anstrengend nachts. Meine Hebamme hatte mir noch am Vortag die Wehenfunktion erklärt und ihre Beschreibung, dass es ein krampfartiger Schmerz vom Oberbauch bis hin nach unten zum Muttermund ist, fand ich sehr treffend. Für mich geht die Qualität der Wehen aus der Eröffnungsphase Richtung „Regelschmerz“.

In der  Austreibungsphase empfand ich die Wehen nicht mehr als schmerzhaft. Vielmehr war es ein wellenartiger Pressdrang, der ziemlich viel Kraft braucht.

 

Printable für die Geburt

 

Hier findet ihr nochmal meine Kärtchen zur Geburt(svorbereitung) zum Download.

 

Ich habe einfach alles, was ich mir zum Thema Geburtsphasen, Glaubenssätze, Atmung, Massagen und Übungen (Entspannung, Visualisierung, Affirmationen Hypnose,…) für die Geburt merken wollte, als Karten gestaltet.

Auf 60cm-Papier ausgedruckt, lassen sie sich ausschneiden und als Karteikarten überallhin mitnehmen. Vielleicht ist es für euch interessant zur Vorbereitung oder sogar für die Geburt selbst!

 

Geburtskarteikärtchen

Merkkarten zur Geburtsvorbereitung

 

livera

Ich, Vera schreibe seit 2012 auf Livera. Neben Projekten auf Livera und anderen Onlinemedien arbeite ich als Psychologin im Personalbereich, bin unterwegs oder kreativ, baue, berate, koche oder bin begeistert. Die Sache mit der Ironie habe ich immer noch nicht drauf und weil ich manchmal schwer zu verstehen bin, bin ich auch auf keinen Fall zu ernst zu nehmen!

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