Nein danke, wir brauchen keinen Schrott

So verhindert man die Geschenkeflut

 

Zugegeben, der Titel ist ein bisschen drastisch. Aber als ich schwanger wurde, war genau das eines unserer Bedenken: Diese vielen Geschenke, von denen alle immer sprechen und die man nicht braucht. Mehr Bodies, als das Kind tragen kann, das Sommerkleid in der Größe, in der das Kind gerade im Winter steckt, Spielzeug, das der eigenen Philosophie widerspricht oder das man schon in vielfacher Ausführung hat.

Tatsächlich konnten wir das bisher irgendwie abwenden. Und nachdem ich kürzlich gezeigt habe, was Mina an Besitztümern hat (sie passen im Wesentlichen in einen Korb), kamen auf instagram wieder ganz viele Nachrichten: Wie macht ihr das? Bekommt ihr nicht? Wieso habt ihr nicht? Also hab ich mir nochmal Gedanken gemacht und wollte einmal aufschreiben, wie wir das handhaben. Außerdem habe ich euch auf instagram ein paar Fragen zum Thema Anschaffungen etc. gestellt und es kamen sofort sooo viele Ideen, dass ich noch eine Liste erstellt habe, die euch helfen kann all denen, die unbedingt Geschenke machen wollen,  einen Anhaltspunkt oder Geschenkewunsch  zu geben.

 

Minimalismus mit Kind

 

Wir haben uns spätestens mit unserem Umzug nach Berlin drastisch reduziert. Aus der jahrelangen gemeinsamen Wohnung kommend hatten wir beide für ein Jahr nochmal WG-Leben und haben den neuen gemeinsamen Start genutzt, um wirklich minimalistisch einzurichten. Ich finde, es macht das Leben leichter. Emotional und ganz praktisch. Kein Ballast, kein Chaos, kein Überfluss, keine Unordnung, viel Potential, Raum und die Freiheit viel schneller seine sieben Sachen packen zu können. Also theoretisch. Aber ihr versteht mich sicher, wer wird schon gerne sinnlos überhäuft?

Wir haben das immer so kommuniziert und ich habe immer argumentiert, dass WIR eben so sind. Dass ICH eben speziell bin und mir meine Körperpflegeprodukte genauso selbst auswähle wie meinen Job. Dass UNSER Leben minimalistischer ist. Ich-Botschaft ist mein zweiter Vorname, mein Mann macht sich schon lustig. Ich habe sogar schon mal eine Email geschrieben, in der ich nebenbei darum gebeten habe, nichts zu schenken, sondern mich zum Kaffee/Drink einzuladen oder für XY zu spenden etc.

Die Konsequenz war:

Zur Babyshower bat die Freundin, die alles hinter meinem Rücken organisierte darum zusammenzulegen und mir ein Baby Budget zu schenken. Statt Baby-Geschenken gab es dann leckeres Essen, schöne Blumen und ich habe nachher Fotos geschickt von den Dingen, die wir für das Baby angeschafft haben. Zum Geburtstag bekomme ich längst keine Geschenke mehr oder nur solche, die ich mir gewünscht habe. Das sind niemals materielle Dinge oder wenn, dann selbstgemachte. Zur Geburt bekamen wir Blumen, Karten und nur vereinzelt ein paar Kleidungsstücke und ausgewählte Produkte. Insgesamt waren das unter 10. Bis heute haben wir mit einer einzigen Ausnahme nichts geschenkt bekommen, außer mehr oder weniger abgesprochenen Geschenken, die selbst gemacht oder weitervererbt waren.

Eine andere Konsequenz war auch, dass sich alle Freunde für ihre Geschenke entschuldigten. Eine Kollegin besuchte mich im Wochenbett und brachte einen wirklich schönen Body mit. Einen von zweien, die wir geschenkt bekamen (beide schön und bio und hochwertig und total zu meiner Freude!). Sie erzählte rechtfertigend, dass sie eine Stunde im Laden verbracht hätte und nicht anders konnte und entschuldigte sich beinahe für ihr Geschenk. Natürlich habe ich (hoffentlich!?!) deutlich klar gemacht, wie sehr ich mich freue. Aber damit musste ich wohl leben…

 

Mina hat nur ein einziges Mal etwas geschenkt bekommen, das ich echt nicht gut fand. Ich habe daraufhin erklärt, dass wir gerne möchten, dass Geschenke vorher mit uns abgesprochen werden. Damit sie nichts doppelt bekommt, aber auch, weil wir da eben eigen sind, nicht viel Platz haben und bewusst weniger besitzen möchten. Ich fühle mich bei sowas im ersten Moment manchmal unwohl, merke dann aber immer, dass es genau richtig war.

Ich habe schon von vielen, auch in euren Kommentaren, gehört, es täte ihnen leid etwas zu sagen, weil es der Oma/Tante/Freundin oder dem Opa/Onkel/Freund nun mal so Spaß macht zu schenken und man die Freude nicht nehmen möchte. Oder noch schlimmer: Vielleicht handelt es sich um etwas Gebrauchtes, das liebevoll weitergegeben wird, um in Ehren gehalten zu werden. Das kann ich total verstehen und tatsächlich ist es dann verdammt schwer abzulehnen oder die Freude von vornherein zu nehmen. Ich denke am Besten kann man durch klare Kommunikation vielen Fehlgeschenken vorbauen.

 

 WWas aber macht man mit Geschenken, die kommen und nicht gebraucht werden?

Eine Freundin von mir erzählt immer wieder, wie sie, wenn sie zu ihrer Mutter fährt, die Handtaschen rauskramt, die sie ihr immer schenkt. Wir lachen darüber immer, aber in Wahrheit wissen wir beide, dass es auch bescheuert ist. Auf instagram habt ihr mir geschrieben, dass ihr vieles weitergebt. Ein paar Mal kamen auch Antworten, dass ihr versucht, das Beste daraus zu machen, oder die Dinge eventuell umzugestalten oder zu zweckentfremden. Es kam auch die Antwort, dass ihr selbst zu vielen Anlässen gar nichts mehr schenkt, um die Flut einzudämmen. Vielleicht muss man das in manchen Fällen nicht mal heimlich machen: Wenn die Oma ständig neue Klamotten bringt, kann man ihr doch ruhig mal sagen, dass die pinke Jeansjacke nicht so 100% gepasst hat war und sich jetzt ein anderes Kind darüber freut, oder?  Tatsächlich haben auch die meisten von euch geschrieben, dass sie das Thema bei Fehlkäufen ansprechen oder für’s nächste Mal um Absprache bitten (einigen ist es aber auch zu unangenehm!). Mit sehr unterschiedlichem Erfolg allerdings…

Viele verstehen es nicht. „Sind doch nur Kleinigkeiten“. Oder sie ignorieren es einfach. In dem Fall wird das Schenken meiner Meinung nach zum Selbstzweck oder ist sogar tatsächlich nur egoistisch. Macht ja auch Spaß, jemandem „eine Freude zu bereiten“.

 

 WWas ich persönlich in der Kommunikation wichtig finde:

  • Ansprechen. Es ist nichts unangenehmer als unausgesprochene Unstimmigkeiten und am angenehmsten ist es, wenn ihr dem Geschenk zuvor kommt. Falls nicht, könnt ihr für’s nächste mal vorbauen.
  • Bei sich selbst anfangen. Es gibt Personen, die können die Gründe nicht verstehen. Aber sie können es annehmen, wenn jemand erklärt, dass er/sie da anders ist.
  • Deutlich sein. Das heißt, das Thema früh genug anzusprechen und ganz klar zu sagen, dass es sich um eine generelle Einstellung handelt. Dass es z.B. zwischendrin keine unausgesprochenen Geschenke geben soll und zu Anlässen konkrete Wünsche bestehen. „Nicht so viel“ oder „Nur zu bestimmten Anlässen“ oder „Nur gut ausgewählte Dinge“ ist für mich nicht konkret.
  • Erklären. Immer wieder. Ihr habt ja Gründe, warum ihr nicht überhäuft werden wollt. Und manchen Personen muss man die leider immer wieder in Erinnerung rufen, sonst folgern sie, das hat sich vielleicht verändert. Auch wenn es unangenehm ist und man es nur kurz nebenbei erwähnen möchte, lohnt es sich meiner Meinung nach da kurz durchzugehen.
  • Alternativen geben. Gerade wenn es keine nahestehenden Personen sind, kennen sie den Umgang mit dem Thema ja nicht und dann hilft nur, vorzubauen. Und Ansagen machen, Vorstellungen äußern. Zum Beispiel nichts zu schenken. Oder Gebrauchtkäufe vorschlagen. Oder Wünsche äußern.

 

Die Argumente sind ja eigentlich einleuchtend. Zuallererst summieren sich die Kleinigkeiten nun mal und als Eltern hat man dann keine Kontrolle mehr. Vielleicht passt es gar nicht in den Lebensstil (Geschmack, Nachhaltigkeit/Fair/Bio, Minimalismus, Veganismus,…). Eine der Antworten von euch war auch, dass lieber selbst genäht wird. Dazu kommt, dass man als Familie meistens nur begrenzt Platz hat und auch noch Platz zum Atmen haben möchte. Außerdem haben wir alle unsere Vorstellung, wie unsere Kinder aufwachsen sollen und es ist unser Recht und unsere Aufgabe als Eltern, hier ein bisschen zu lenken.

 

Das mit dem Wünsche äußern funktioniert ja am Besten konkret. Gleichzeitig fand ich Geschenke-Wünschen schon immer irgendwie seltsam fordernd. Es gibt für mich deshalb zwei Möglichkeiten: Entweder ganz konkret zu äußern, was man wirklich benötigt (da würdest du uns echt eine Freude machen) oder einzuladen, sich an größeren Anschaffungen zu beteiligen. Aus euren Antworten habe ich deshalb eine Liste erstellt und hatte tatsächlich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. So viel Ideen! Danke! Ich habe euch gefragt, welche sinnvollen Investitionen ihr gemacht habt, was ihr zuletzt gekauft und wirklich benötigt habt und über welche Geschenke sich eure Kinder richtig gefreut haben.

 

IIhr hattet so viel tollen Input für Geschenkideen!

 

Minimalismus mit Familie

Sinnvolle Geschenke fürs Kind

 

Vor der Geburt oder fürs Baby:

 

Sinnvolle und/oder benötigte Geschenke-Wünsche

  • Einen unifarbenen Wolle-Seide-Body in Größe XY in Bioqualität
  • Dezente Swaddles/Spucktücher aus Bio-Baumwolle
  • Ein USB-betriebenes Still-Licht
  • Wechselbezüge oder Auflagen für Kinderwagen/Autositz/Hochstuhl,…
  • Hübsche Stoffwindeln einer bestimmten Marke und mit selbst gewähltem System
  • Einen Sonnenhut (wurde witzigerweise öfter genannt) oder ein anderes ganz konkretes Kleidungsstück (es wurde z.B. auch eine Regenjacke oder Leinenhose erwähnt)
  • Babypflege aus der gewünschten Serie (z.B. Weleda) oder z.B. Sonnencreme aus der Apotheke
  • Hübsche Stoppersocken
  • Wollwalk-Overall

Größere Anschaffungen, die sich eignen, um zusammenzulegen

  • Kinderwagen, Babyschale und/oder Babytrage/-tuch (und zwar genau das gewünschte Modell)
  • Hochstuhl/Tripptrapp oder den passenden Aufsatz dafür
  • Vorausgewählter Fahrradsitz, Anhänger oder Lastenwagen/rad
  • Eine Babywippe oder Federwiege/Nonomo – oder swing2sleep-Motor
  • Ein bestimmtes Babybett
  • Familienbett
  • Eine bestimmte Wickeltasche/Wickelrucksack oder einen Rucksack mit Tragefunktion
  • Schlafnestchen (einer bereits ausgewählten Marke)

 

Fürs Kind:

 

Sinnvolle und/oder benötigte Geschenke-Wünsche

  • Ein Buch zu einem bestimmten Thema oder von einem bestimmten Autor/Verlag/etc. (oder auch ein ganz bestimmtes Buch bei älteren Kindern)
  • Mit dem Kind einen Spenden-Zweck auswählen (fand ich eine tolle Idee!)
  • Ein Kuschelkissen (auch hier konkrete Vorstellungen und den Zweck äußern!)
  • Alles von Lego und Duplo (kam beides auch wirklich oft, von Duplo konkret )
  • Ein kleines Auto oder ein Bagger (eventuell hier auch noch dazusagen, worum es geht)
  • Bestimmte Puppenhausmöbel
  • Einen Regenschirm
  • Kreide oder Straßenkreide
  • Gutschein für Autokino, Open-Air-Kino oder eine andere Aktivität
  • Etwas aus der eigenen Kindheit
  • Ein Fotobuch oder Fotogeschenk zur Erinnerung
  • Ein Holzpuzzle
  • Eine Gießkanne
  • Toni Box bzw. gewünschte Tonies

Größere Anschaffungen, die sich eignen, um zusammenzulegen

  • Ein bestimmtes, schon ausgewähltes Schuhmodell (das kam übrigens suuuuuper oft! Knapp 20 Mal!)
  • Ein Fahrrad oder Laufrad (hätte ich beides auch unbedingt auf die Liste gesetzt!)
  • Eine Kinderküche (und ich so: Jaaaaaa!)
  • Pikkler Dreieck/ Kletterdreieck
  • Longboard oder Skateboard
  • Regenbogenwippe
  • Holzpferd
  • Trampolin (es wurde auch eines als „In Ground“-Version genannt, kommt auf meine zukünftige Liste!)
  • Fahrradanhänger (auch oft genannt!)

 

Übrigens: Wenn Omas gerne schenken, dann gebt ihnen doch vielleicht Tipps, für Dinge, die sie immer schenken dürfen. Zum Beispiel Pflegeprodukte einer bestimmten Marke, Pixiebücher, Obst, Selbstgebackenes, einen Ausflug,…

 

Minimalismus als Familie

livera

Ich, Vera schreibe seit 2012 auf Livera. Neben Projekten auf Livera und anderen Onlinemedien arbeite ich als Psychologin im Personalbereich, bin unterwegs oder kreativ, baue, berate, koche oder bin begeistert. Die Sache mit der Ironie habe ich immer noch nicht drauf und weil ich manchmal schwer zu verstehen bin, bin ich auch auf keinen Fall zu ernst zu nehmen!

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